Blanka Stolz: Die Philosophie des Gärtnerns

Cover Stolz Philosophie des Gärtnerns
© mairisch Verlag

Es juckt in den Fingern! Beete fordern mich zum Umgraben heraus. Samentütchen liegen bereit. Bienen lauern schon auf süße Beute. Zum Glück haben die ersten Frühjahrsblüher ihre Blüten entfaltet: Krokusse, Schachbrettblumen und Taubnesseln werden umschwirrt. Die Gartenarbeit muss warten. Es ist Zeit für ein Buch über Die Philosophie des Gärtnerns, mit 14 Texten, die das Gärtnern aus historischer, politischer, ästhetischer Perspektive und rein praktisch betrachten. Was treibt uns an, zu gärtnern? Soll der Garten schön oder nützlich sein, durchgestylt oder natürlich? Gärtnern Frauen anders als Männer? Und was ist eigentlich Permakultur? Diesen und weiteren Fragen geht das von Blanka Stolz herausgegebene Buch nach. Die Herausgeberin ist auch Mitgründerin des mairisch Verlags, welcher 2013 den Indiebookday ins Leben rief – mehr dazu am Ende dieses Beitrags.

Herausgeberin Blanka Stolz führt uns die Mühen des Gärtnerns auf einem Tessiner Bergbauernhof mit seiner kurzen Vegetationszeit vor Augen. Da lobe ich mir das fast schon mediterrane Klima in der Pfalz!
Sarah Thelen untersucht in "Die Blätter, die die Welt bedeuten", was unser Garten über unser Verhältnis zur Welt aussagt und ob wir das Gleichgewicht, das wir in unserem Garten herstellen, auch auf den Rest der Welt übertragen können.
Brunhilde Bross-Burkhardt sieht ihren ungeordneten Garten, in dem sich auch Unkräuter austoben dürfen, als Ausdruck ihrer Persönlichkeit. Als Agrarwissenschaftlerin mit Schwerpunkt biologischer Land- und Gartenbau betrachtet sie Unkraut vor allem unter dem Aspekt seines ökologischen Nutzens und nicht als Bedrohung der Harmonie. Ihr Beitrag lautet dementsprechend "Ein Plädoyer fürs Unkraut". Einfach möglichst viel stehen lassen – das ist auch meine Devise!
Roberta Schneider berichtet von ihrem Versuch, einen japanisch inspirierten Minigarten nur mit Grünpflanzen zu gestalten und wünscht sich in ihrem Text "Lob des Unscheinbaren" mehr Moose im öffentlichen Raum und in unseren Gärten.
Philosophie-Professor Dieter Wandschneider zeigt uns Gärten als "Orte der Kontemplation" und zeichnet die Entwicklung unseres Natur- und Schönheitsbegriffs in der Philosophie nach. In der "Spannung zwischen Natur und Gestaltung" sei auch eine metaphysische Ebene enthalten.
Miriam Paulsen erzählt in ihrem Beitrag "Unter Gartenfreunden" von Klischees und Realitäten des Schrebergartens, unterbrochen durch Fragen ihrer nicht-schrebergärtnernden Freunde, die sie stoisch erträgt: einfach köstlich zu lesen!

Weitere Texte handeln vom Genuss selbst gepflanzten Obsts und Gemüses, von den vielen Facetten des Gärtnerns in der Stadt oder vom Sinn und Unsinn von Gartenbau-Ausstellungen. Eine erfrischend bunte Mischung, die für jeden Gärtner-Typ Anregungen bietet und mich oft zum Schmunzeln brachte. Beim Deutschen Gartenbuchpreis 2017 gewann das Buch kürzlich den ersten Preis in der Sonderkategorie "Beste Gartenprosa und Lyrik".
Auch die Aufmachung ist ein Genuss, mit zweifarbigem Druck und Lesebändchen, lesefreundlicher Schrift und angenehm breitem Rand um den Text herum. Erschienen ist Die Philosophie des Gärtnerns im mairisch Verlag, der übrigens nach dem hessischen Wort für ein Unkraut benannt wurde: Mairisch heißt die Vogelmiere 🙂 Klarer Fall: Eine Zierde für den Garten – und fürs Bücherregal!

Logo Indiebookday 2017

Mehr Aufmerksamkeit für die unabhängigen kleinen Verlage!

Der Hamburger mairisch Verlag existiert seit 1999 und bietet ein kleines, feines Programm schön aufgemachter Bücher mit folgenden Schwerpunkten: Belletristik, Graphic Novel, Sachbücher, darunter die Reihe "Philosophie des…" sowie Hörspiele und Musik. Besonders wichtig ist den Verlegern die Entdeckung und Förderung junger Autoren. 2015 wurden sie dafür mit dem K.-H. Zillmer-Verlegerpreis ausgezeichnet und 2016 mit dem Young Excellence Award.
Vor einigen Jahren rief der mairisch Verlag den Indiebookday ins Leben, einen Aktionstag für unabhängige kleine Verlage, die finanziell nicht so üppig ausgestattet sind wie die großen Verlagshäuser, sich aber mit viel Herzblut für ihr Programm engagieren. Mittlerweile wird der Indiebookday auch in anderen europäischen Ländern gefeiert.
Wer mitmachen und diese tolle Idee unterstützen möchte, kauft am 18. März 2017 ein oder mehrere Bücher aus einem Independent-Verlag, zum Beispiel meine Buchempfehlung des mairisch Verlags, und berichtet idealerweise darüber in den sozialen Medien.
Infos, Buchtipps und Teilnahmemöglichkeiten zum Indiebookday gibt es auch auf Facebook, bei Twitter oder Instagram: #Indiebookday

Blanka Stolz (Hg.): Die Philosophie des Gärtnerns
mairisch Verlag 2017, 224 Seiten
ISBN 978-3-938539-43-9
Leseprobe

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3 Gedanken zu „Blanka Stolz: Die Philosophie des Gärtnerns

  1. Gerhard

    Hast Du nicht schon einmal Werbung gemacht für die Kleinverlage? Oder war das jemand anders?
    Ich werde mich in dem genannten Verlag umsehen. Bin gespannt.
    P.S.: Im Gärtnern bin ich relativ unwissend. Mein Garten braucht wenig Arbeit. Ich bestücke ihn mit allerlei Keramik. "Ob ihm das gefällt oder nicht" 🙂

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    1. Petra Wiemann

      Du meinst sicher diese Sachbuch-Zusammenstellung aus dem letzten Herbst:
      http://www.elementareslesen.de/sachbuch-vielfalt/
      Ich finde, dass man gar nicht genug Werbung für die kleinen Verlage machen kann :-). Da habe ich schon viele ganz besondere Bücher entdeckt. Auch die Gestaltung hebt sich wohltuend ab von jener der großen Verlage.
      Gartenarbeit soll für mich auch eher Spaß machen und nicht zu viel Arbeit. Mal sehen, wie der Garten sich in diesem Jahr entwickelt. Das finde ich immer wieder aufs neue spannend.

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      1. Gerhard

        Ja, das meinte ich.
        Gestern habe ich endlich Brockmans "Welche wissenschaftliche Idee ist reif für den Ruhestand" zuende gebracht. War schwieriger als der Vorgänger.
        Ab und an drucke ich Leseproben aus. Gestern Raul Schrotts Buch "Epos Erste Erde" angesehen, aber mit der poetischen Sprache komme ich persönlich nicht zurecht. So hangelt man sich halt weiter...

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