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Versunkene Kulturen, eine geheimnisvolle alte Karte und der Ursprung der Menschheit - für die zweite Folge meiner Serie Vorfreuden für Leseratten habe ich spannende Sachbuch-Neuheiten aus der Geschichte ausgewählt.
Lasst uns

Abtauchen in die Vergangenheit

Cover Hands Cosmosapiens
© Knaus

Für seine umfassende Naturgeschichte der Menschheit startet der britische Wissenschaftler John Hands nicht etwa vor 300.000 Jahren mit dem Aufkommen des Homo sapiens in Afrika. Er geht sogar zurück bis zur Entstehung des Universums. ...weiterlesen "Vorfreuden für Leseratten II Herbst 2017"

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Kürzlich stellte ich das Buch Wunderstoffe von Mark Miodownik vor, ein Buch über zehn bedeutsame Materialien, zu denen auch die Schokolade zählt. Im Buch habe ich viel über die Herstellung von Schokolade erfahren, aber nur wenig über ihren mexikanischen Ursprung. Daher habe ich den Übersetzer der Wunderstoffe, Jürgen Neubauer, um einen Gastbeitrag gebeten - und eine spontane Zusage erhalten!
Nach Stationen als Dozent in den USA und Sachbuchlektor beim Campus Verlag hat der promovierte Literaturwissenschaftler vor zwölf Jahren in Mexiko eine neue Heimat gefunden. Für renommierte deutschsprachige Verlage übersetzt er Sachbücher aus dem Englischen und Spanischen. In seinem bereits in zweiter Auflage erschienenen Buch Mexiko – ein Länderporträt und auf seinem Blog Aus Mexiko gibt Jürgen Neubauer lebendige Einblicke in die Geschichte, Kultur und Gegenwart Mexikos.
Sein Gastbeitrag zeigt uns, wie tief die Schokolade in der mexikanischen Kultur verwurzelt ist:

Mexiko, Land des Kakaos

n1_kakaoFröstelnd laufen wir durch die dunklen Straßen der barocken Altstadt von Querétaro. Es ist Dezember und wir frieren, wie man nur in den Tropen frieren kann. In einem Land ohne Heizung gibt es an solchen Tagen nur eine Möglichkeit, sich aufzuwärmen: ein heißes Getränk. Wir biegen in die Calle de Arteaga am Rand des Zentrums und sehen schon von Weitem eine Schlange von Vermummten auf der Straße. Aus einer offenen Tür fällt freundliches Licht auf den Gehsteig. In dem kleinen Raum hängt warmer Dampf, und es duftet nach Chili und undefinierbaren Süßigkeiten. Hinter großen Aluminiumtöpfen steht eine kleine Frau und strahlt mich an.

„Einen Kakao, bitte“, sage ich und reibe mir voller Vorfreude die Hände.

Mit einer großen Kelle fährt die Frau in einen ihrer dampfenden Töpfe, rührt ein wenig um, und gießt mir eine dicke braune Flüssigkeit in einen Styroporbecher. Und so beginnt meine allabendliche Kommunion mit der Geschichte Mexikos.

Die Olmeken: Die Erfinder des Kakaos

...weiterlesen "Mexiko, Land des Kakaos – Gastbeitrag von Jürgen Neubauer"

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Cover Brunner Winter
© Galiani

Als die Winter noch Winter waren − dieser Titel weckt nostalgische Gefühle an vergangene Zeiten. Diese bitterkalten Winter waren voller Schnee, der sich rechts und links der Wege türmte. Auf zugefrorenen Seen konnten wir Schlittschuh laufen, und drinnen war es gemütlich bei Kerzenschein am bollernden Ofen. Morgens glitzerten in ungeheizten Zimmern wunderschöne Eisblumen an den Fenstern. Das ist heute eher selten der Fall. Dank des Klimawandels sind die Winter in unseren Breiten nicht mehr so hart und nicht mehr so schneereich. Selbst bei Kälte sind wir gut gerüstet dank funktionierender Heizungen und wetterfester Kleidung. Uns fehlt das echte Wintererlebnis.
Bernd Brunner bringt uns den Winter mit all seinen Facetten zurück, in einer gelungenen Mischung aus Kulturgeschichte, Poesie und Wissenschaft. Er erzählt von Wintern in früheren Zeiten und von Regionen, in denen es noch echte Winter gibt.

Als Autor kulturgeschichtlicher Werke widmet sich Bernd Brunner originellen Themen in ungewöhnlicher Bandbreite: der Besessenheit von Vogelliebhabern in Ornithomania, der horizontalen Lebensform in Die Kunst des Liegens, außerdem dem Mond, Bären und Aquarien. Passend zur Weihnachtszeit gibt es sogar ein Buch über Die Erfindung des Weihnachtsbaums.

In seinem neuen Buch  Als die Winter noch Winter waren hat der Autor viele kleine Fundstücke über die kalte Jahreszeit zusammengetragen. ...weiterlesen "Bernd Brunner: Als die Winter noch Winter waren"

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Abseits der ausgetretenen Pfade

Insel
© Insel

Eine Zeit der rasanten Veränderungen, des radikal Neuen und das Ende vieler Gewissheiten – dies und mehr war das 20. Jahrhundert. Die wichtigsten Entwicklungen und einige Protagonisten jener Zeit stellt der Journalist und Buchautor John Higgs in seinem Buch Alles ist relativ und anything goes vor (der Originaltitel lautet Stranger Than We Can Imagine). Er konzentriert sich vor allem auf die Wissenschaft, die Kunst, die Literatur und die Psychologie, denn er sucht nach dem Unkonventionellen abseits der ausgetretenen Pfade der politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse.
In seinem Buch legt der Brite seine originelle Sichtweise über das letzte Jahrhundert dar und verblüfft durch interessante Querverbindungen zwischen den einzelnen Bereichen.

Relativität und das Jahrhundert des Individuums

Im Gegensatz zu früheren Zeiten gibt es laut Higgs keinen Omphalos mehr. Dieser Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet Mittelpunkt der Welt oder auch Nabel des Geschehens - ein Ort, eine Sichtweise oder auch eine Person, die Halt und Orientierung bietet. Doch die gewohnte Perspektive ging auf vielen Ebenen verloren. ...weiterlesen "John Higgs: Alles ist relativ und anything goes"

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Ein Beitrag zum #Indiebookday 2016

Wagenbach
© Wagenbach

Alles begann mit der Wiederentdeckung einer chinesischen Karte in der Bodleian Library, der Bibliothek der Universität Oxford. Dort lagerte sie unbeachtet einige Jahrhunderte in den Archiven der chinesischen Abteilung, zusammen mit Manuskripten, die der Seerechtsanwalt John Selden der Bibliothek nach seinem Tode 1654 vermacht hatte. Als der Historiker und Chinaexperte Timothy Brook 2009 auf diese Karte aufmerksam wurde, war er sofort fasziniert. In seinem Buch Wie China nach Europa kam erzählt er die verschlungene Geschichte der Karte, die heute als Selden Map of China bekannt ist.

Was macht diese Karte so außergewöhnlich? Vor allem ist sie ein beeindruckendes Unikat. Eine vergleichbare Karte aus dem China der Ming-Dynastie ist bisher nicht gefunden worden. Sie entspricht in vieler Hinsicht nicht den Konventionen der chinesischen Kartografie, sondern ähnelt eher europäischen Karten jener Zeit, weist aber auch für europäische Karten erstaunlich moderne Merkmale auf. Ihr Fokus liegt auf den Handelsrouten im Südchinesischen Meer und nicht, wie zu erwarten, auf den Landmassen. Ungewöhnlich ist auch eine Kompassrose auf der Karte, denn obwohl der Kompass von Chinesen im 11. Jahrhundert erfunden worden war, gab es auf chinesischen Karten keine derartigen Abbildungen, auf europäischen aber schon. Timothy Brook versucht die vielen Geheimnisse zu lüften, indem er ins 17. Jahrhundert reist, als diese bemerkenswerte Karte entstand und durch mehrere Hände schließlich aus John Seldens Nachlass in die Bodleian Library gelangte: ...weiterlesen "Timothy Brook: Wie China nach Europa kam – Die unerhörte Karte des Mr. Selden"

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Cover Goldstein Georg Forster
© Matthes & Seitz

Als 17jähriger ging Georg Forster mit James Cook auf eine dreijährige Reise rund um die Welt. Auf der Suche nach dem Südkontinent lernte er die Antarktis kennen, zeichnete, erforschte die Natur und begegnete verschiedenen Völkern der Südsee. Später unterstützte er die Mainzer Republik und starb im Alter von 39 Jahren im Pariser Exil. Wie wurde er vom Naturforscher zum Revolutionär? Und warum geriet er kurz nach seinem frühen Tod in Vergessenheit? Diesen Fragen geht der Philosophieprofessor Jürgen Goldstein in seiner lesenswerten Biografie Georg Forster - Zwischen Freiheit und Naturgewalt nach. Forster ist für ihn "der ungelesene Klassiker der deutschen Geistesgeschichte". Anhand vieler Werk- und Briefauszüge, die Goldstein klug interpretiert, gilt es diesen Klassiker wiederzuentdecken. ...weiterlesen "Jürgen Goldstein: Georg Forster – Zwischen Freiheit und Naturgewalt"

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Beim Thema Geschichte bevorzuge ich Bücher, die sich möglichst epochenübergreifend mit einem speziellen Thema beschäftigen oder einen Abschnitt der Geschichte aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel betrachten. Für beide Varianten habe ich interessante neue Bücher entdeckt!

Neuerscheinungen aus der Geschichte

Rowohlt
© Rowohlt

Charles C. Manns Buch Kolumbus' Erbe, das ich schon hier im Blog vorstellte, fand ich großartig! Nun erscheint der Vorgängerband Amerika vor Kolumbus endlich auch in deutscher Sprache. Darin beschreibt Mann die Lebensweise der amerikanischen Urvölker, ihre cleveren Anbaumethoden, beeindruckende Städte und Hochkulturen, kurz: all das, was die Eroberer und Kolonisten später aus Grausamkeit oder Gleichgültigkeit zerstörten. ...weiterlesen "Vorfreuden für Leseratten II Frühjahr 2016"