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Cover Brandstetter Reichholf Symbiosen
© Matthes & Seitz

Das Erdbeerfröschchen ist fleißig! Mehrmals täglich klettert es hoch auf einen Baum im tropischen Regenwald. Sein Ziel sind die ganz oben wachsenden Bromelien. Einzeln trägt es seine frisch geschlüpften Kaulquappen zum Wasser, das sich zwischen den trichterförmigen Blättern der Bromelien gesammelt hat. Dann bringt es unbefruchtete Eier als Nahrung für den Nachwuchs hinauf – und das bis zu zehn Wochen lang! Was für ein Aufwand, um den Gefahren am Erdboden zu trotzen! Im Tausch erhält die Bromelie, die vom Regenwasser und den Nährstoffen aus der Luft lebt, die gehaltvollen Ausscheidungen der Kaulquappen – eine perfekte Symbiose, von der beide Seiten profitieren. ...weiterlesen "Johann Brandstetter/Josef H. Reichholf: Symbiosen"

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Cover Hesse Platon Marilyn
 © Piper

Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder spannende Konstellationen zwischen besonders einflussreichen, klugen oder charismatischen Menschen. Welche Einstellungen hatten sie zu wichtigen Lebensfragen und welche Konsequenzen zogen sie daraus? Welche Lehren können wir heute daraus ziehen? Helge Hesse, Publizist und Autor von Bestsellern wie Hier stehe ich, ich kann nicht anders, hat in seinem neuen Buch Mit Platon und Marilyn im Zug 15 Begegnungen von der Antike bis zur Gegenwart untersucht. ...weiterlesen "Helge Hesse: Mit Platon und Marilyn im Zug"

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Abseits der ausgetretenen Pfade

Insel
© Insel

Eine Zeit der rasanten Veränderungen, des radikal Neuen und das Ende vieler Gewissheiten – dies und mehr war das 20. Jahrhundert. Die wichtigsten Entwicklungen und einige Protagonisten jener Zeit stellt der Journalist und Buchautor John Higgs in seinem Buch Alles ist relativ und anything goes vor (der Originaltitel lautet Stranger Than We Can Imagine). Er konzentriert sich vor allem auf die Wissenschaft, die Kunst, die Literatur und die Psychologie, denn er sucht nach dem Unkonventionellen abseits der ausgetretenen Pfade der politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse.
In seinem Buch legt der Brite seine originelle Sichtweise über das letzte Jahrhundert dar und verblüfft durch interessante Querverbindungen zwischen den einzelnen Bereichen.

Relativität und das Jahrhundert des Individuums

Im Gegensatz zu früheren Zeiten gibt es laut Higgs keinen Omphalos mehr. Dieser Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet Mittelpunkt der Welt oder auch Nabel des Geschehens - ein Ort, eine Sichtweise oder auch eine Person, die Halt und Orientierung bietet. Doch die gewohnte Perspektive ging auf vielen Ebenen verloren. ...weiterlesen "John Higgs: Alles ist relativ und anything goes"

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Für diesen Herbst habe ich mich auf eine kleinere Auswahl mit nur vier Folgen Vorfreuden für Leseratten und 23 Büchern beschränkt, damit es nicht so ausufert wie beim letzten Mal. Euren Befürchtungen bezüglich jammernder Geldbeutel und ächzender Bücherregale sei hiermit Rechnung getragen. Meine Gesamtliste bleibt unter Verschluss! Den Ausblick auf die spannendsten Herbst-Neuerscheinungen beende ich mit einem bunten Sammelsurium:

Neuerscheinungen Mixed

Bonnett Orte
© Beck

Das Zeitalter der Entdeckungen ist noch nicht vorbei, denn es gibt sie: unbekannte Orte, die dem Rest der Welt (auch Google Earth) verborgen sind. Der Geograf Alastair Bonnett versammelt sie in seinem Buch Die seltsamsten Orte der Welt: Inseln, die auftauchen und wieder verschwinden, Orte, die zu keinem Land gehören, geheime Militärbasen, Gebiete, die unter dem Wasser oder der Erde verborgen sind. Da möchte ich mich gleich auf die Suche machen. ...weiterlesen "Vorfreuden für Leseratten IV Herbst 2015"

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Kulturkritiker Shumon Basar, Schriftsteller Douglas Coupland und Kurator Hans Ulrich Obrist spüren den Veränderungen unserer digitalen Gegenwart nach und hinterfragen kritisch unser Nutzungsverhalten - allerdings nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern mit künstlerischen Mitteln.

Erschuetterung der WeltSeit das Internet unseren beruflichen und privaten Alltag durchdringt, hat sich nicht nur unser Denken verändert, sondern auch die Struktur unseres Planeten. Dies ist der Ausgangspunkt des Buches Erschütterung der Welt. Der Kulturkritiker Shumon Basar, Schriftsteller Douglas Coupland und Kurator Hans Ulrich Obrist spüren den Veränderungen unserer digitalen Gegenwart nach und hinterfragen kritisch unser Nutzungsverhalten - allerdings nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern mit künstlerischen Mitteln. Zugleich ist ihr Buch als Update des medientheoretischen Kultbuchs Das Medium ist die Massage von Marshall McLuhan aus dem Jahr 1967 zu verstehen, wie die Autoren in einem Beitrag für die BBC erläutern. ...weiterlesen "Shumon Basar/Douglas Coupland/Hans Ulrich Obrist: Erschütterung der Welt"

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Fischer hat eine Mission. Er möchte den Laien die Naturwissenschaften nahebringen und den Pädagogen auf die Sprünge helfen, damit sie ihren Schülern nicht den Spaß am Lernen rauben und deren Neugier ersticken.
Cover Fischer Verzauberung der Welt
© Siedler

In den letzten Tagen war ich ganz gebannt von der Berichterstattung über die Raumsonde Rosetta und den Lander Philae, dem es gelungen ist, erstmals in der Geschichte der Raumfahrt auf einem Kometen zu landen. Ich habe einiges gelernt über die Schwerkraft, die auf der Erde und auf dem Kometen unterschiedlich stark ist, und über die Erkenntnisse, die die Wissenschaftler sich von dieser Mission erhoffen, Erkenntnisse über die Entstehung unseres Planeten und des Lebens im Universum. Der Anblick von Rosetta und Philae hat mich verzaubert. Wissenschaft hat mich verzaubert!

Und doch gibt es jene, die meinen, dass das ausgerechnet mit Wissenschaft unmöglich sei. Wissenschaft scheint ihnen kompliziert und abgehoben. Wissenschaft wird nicht als Teil unserer Kultur begriffen, sondern als etwas von ihr getrenntes, sie gilt als kalt und rational. Der Soziologe Max Weber behauptete sogar, die Berechenbarkeit und Beherrschbarkeit der Welt durch die Wissenschaft führe zu einer Entzauberung der Welt. Eine Aussage, der der Wissenschaftspublizist Ernst Peter Fischer vehement widerspricht. ...weiterlesen "Ernst Peter Fischer: Die Verzauberung der Welt"

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Quelle: Wiki Commons
Fraktale (Quelle: Wiki Commons)

"So offensichtlich es ist, dass Wissenschaft und Kunst zusammengehören, so wenig Verbreitung findet dieser Gedanke hierzulande in einigen intellektuellen Kreisen. Es gehört zu den Peinlichkeiten in der öffentlichen Rede zur Kultur, dass immer noch die Frage aufgeworfen werden kann, ob die Naturwissenschaften zur Kultur gehören und zur Bildung von Menschen beitragen. Noch im 21. Jahrhundert und selbst in Blättern, hinter denen man kluge Köpfe vermuten darf, denken einige Schlauberger angestrengt darüber nach, ob die Naturwissenschaften ihr Gebiet – die Natur – zur Kultur machen oder ob ihre Disziplinen dazu beitragen."

 

entnommen aus: Ernst Peter Fischer: Die Verzauberung der Welt - Eine andere Geschichte der Naturwissenschaften, Siedler Verlag 2014, ISBN 978-3-88680-981-3

Die Rezension zum Buch gibt es hier in meinem Blog.