Besuch der Frankfurter Buchmesse 2015

Gestern bin ich beim ersten Schnee des Jahres – im Oktober, kaum zu fassen! – zur Frankfurter Buchmesse gestartet und bei eisigem Regen dort angekommen. Ich habe mich auf die Hallen 3 und 4 konzentriert und sie mehrmals durchwandert auf der Suche nach meiner Lieblingslektüre, spannenden neuen Sachbüchern. Ein paar Eindrücke von diesem anstrengenden, aber sehr erfolgreichen Tag möchte ich hier festhalten!

Buchmesse 2015Zuerst wollte ich mich einfach kreuz und quer treiben lassen in der Hoffnung, dass mir die gesuchten Verlage schon beim Schlendern begegnen würden. Doch ich hatte die Größe der Hallen unterschätzt. Wenn ich mal einen Gang abkürzen würde, könnte ich womöglich einen Verlag verpassen. Also habe ich immer wieder meine vorbereitete Liste konsultiert, wo die Standnummern notiert waren und mehr oder minder systematisch alle Ebenen abgeklappert. Das schöne daran sind die unerwarteten Entdeckungen wie zum Beispiel der witzige Stand von TibiaPress.

Infocomics von TibiaPress

Infocomics von TibiaPress – die löschen den Wissensdurst mit coolen Zeichnungen!

Der Knesebeck Verlag hatte viele schöne Bildbände ausliegen, darunter auch das neue Buch des Fotografen Michael Martin über Wüsten – ein echter Prachtband. Erst im Nachhinein wurde mir klar, dass der großgewachsene Standbetreuer in Wirklichkeit Michael Martin war. Verflixt, den hätte ich gern angesprochen!

Ähnlich schöne Bildbände wie Knesebeck produziert auch der Fackelträger Verlag, von dem ich hier im Blog bereits das fabelhafte Buch von Theodore Gray über das Periodensystem der Elemente vorgestellt habe. Auf der Messe war ein weiteres Buch von ihm ausgestellt.

Bildbände vom Fackelträger Verlag

Bildbände vom Fackelträger Verlag. Bis auf eins kommen die alle für mich in Frage!

Verblüffend war das unterschiedliche Flair in den verschiedenen Hallenebenen. Während die Ebene 4.2 mit Fachverlagen aus Wissenschaft, Medizin und Ökonomie von Seriosität und Ernsthaftigkeit geprägt ist und dunkle Businessanzüge und Kostüme  das Bild  dominieren, gibt es in den reinen Belletristik-Etagen eine bunte modische Vielfalt und fröhliches Schnattern – aber natürlich nicht minder seriös! Bei den einen geht es darum, die schönsten und wichtigsten neuen Bücher zu zeigen, während die anderen eine nüchterne Arbeitsatmosphäre bieten. Der Unterschied war krass!

Eine fantastische Präsentation bietet der Ulmer Verlag, der auf Garten, Landwirtschaft und Naturthemen spezialisiert ist. Nachdem ich kürzlich ein ausgezeichnetes Buch über Bienen gelesen habe, zog mich dieser Stand magisch an!

Ulmer Verlag im Zeichen der Bienen

Gelungener Messestand des Ulmer Verlags. Hört Ihr das Summen?

Auf der Buchmesse ist es unvermeidlich, dem einen oder anderen prominenten Kulturschaffenden über den Weg zu laufen. Bei Kiepenheuer & Witsch stand ich Schulter an Schulter mit Volker Weidermann, den ich an der Stimme wiedererkannte. Als sich ein Kamerateam ankündigte, habe ich das Weite gesucht! Eine weitere Karte des neuen Literarischen Quartetts, Christine Westermann, ist mir gleich zweimal begegnet, einmal Rolltreppe abwärts, einmal aufwärts. Clemens Setz habe ich bei #Orbanism gelauscht, wie er zu Social Reading steht. Der Weg zu Jenny Erpenbeck auf dem Blauen Sofa war zu weit, dafür konnte ich sie auf einem Bildschirm verfolgen. Prinz Asfa-Wossen Asserate hat gleich bei zwei Verlagen, die ich aufsuchte, Beck und Ullstein, gerade dann Bücher signiert, als ich mich dort umsah. Ich war zu höflich, um ihn anzusprechen. Und eventuell habe ich Rolf Lappert erkannt, was mich daran erinnert, dass ich als nächstes endlich sein Buch Über den Winter lesen möchte. Der Kaffeehaussitzer, ein Blogger meines Vertrauens, hat nämlich eine unwiderstehliche Empfehlung ausgesprochen!

Postkarten von Matthes & Seitz, Leseprobe vom Mare Verlag

Postkarten von Matthes & Seitz, Leseprobe vom Mare Verlag

Mein Highlight auf der Frankfurter Buchmesse war die Präsentation der Naturkunden-Reihe bei Matthes & Seitz, wo ich mit einer begeisterten Sammlerin der Reihe ins Gespräch kam. Meine Handy-Fotos haben sich leider als unscharf entpuppt, denn dort war es zu schummerig, aber sehr gemütlich! Die Mitarbeiterinnen des Standes waren gerade dabei, einen Karton mit Büchern des frisch gebackenen Buchpreisträgers Frank Witzel auszupacken. Sie hofften, dass er vorbeikommen würde. Soweit ich weiß, ging der Wunsch später in Erfüllung!

Bei der WGB, die unter anderem aus den Verlagen Theiss, Zabern und Primus besteht, war beim ersten Besuch ein Kamerateam im Weg, so dass ich nicht alle Bücher begutachten konnte. Zum Glück konnte ich das später nachholen, denn dort gibt es eine tolle Auswahl wissenschaftlicher Sachbücher und Bildbände. Einer meiner liebsten Verlage, Springer Spektrum, hatte seine populärwissenschaftlichen Bücher so gut versteckt, dass es dort nichts zu entdecken gab. Das war wirklich schade, aber immerhin habe ich einen meiner liebsten Verlagskontakte wiedergetroffen!

Nachmittags schwand die Konzentration. Die Luft wurde schlechter, das Licht schien mir immer dunkler, die Wege immer weiter. Beim Parthas Verlag gab es einen Apfel zur Stärkung. Das war nach all den Schokosnacks eine erfrischende Abwechslung! Aber auf der Buchmesse gibt es nicht nur essbare Gaben, sondern auch geistige Nahrung – die Literaturbeilagen der ZEIT und der Welt – geschenkt!

Ich habe mich sehr gefreut, einige liebe Menschen aus Buchhandel und Verlagen wiederzutreffen. Die Zeit war leider viel zu kurz für ausgiebige Gespräche, denn ich hatte ja viele Ziele auf meinem Plan. Außerdem ist ein spontanes Treffen ohne Termin kaum machbar. Eine schöne Begegnung hatte ich mit der GeschichtenAgentin Dagmar Eckhardt, die ich von Fotos wiedererkannt und angesprochen habe. Vor kurzem hat sie eine Facebook-Gruppe für Sachbuch-Besprechungen ins Leben gerufen. Dort findet Ihr Buchtipps aus allen Sachbuchbereichen. Wenn Ihr gern Sachbücher lest oder Eure eigenen Beiträge und Buchtipps teilen wollt, dann seid Ihr dort richtig! Schaut doch mal vorbei!

Mit brennenden Augen und schmerzendem Rücken habe ich meinen Messebesuch beendet. Ich war erschöpft, aber sehr zufrieden, denn ich habe es tatsächlich geschafft, mir alle Bücher anzuschauen, die auf meiner Sachbuch-Wunschliste standen und werde sie in den kommenden Monaten hier im Blog vorstellen. Allen, die den Messebesuch noch vor sich haben oder gerade dort sind, wünsche ich viel Spaß beim Entdecken!!!

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15 Kommentare

  1. Ein sehr lebendiger, persönlicher und anregender Bericht, der so einige Tipps vermittelt. Vielen Dank dafür! Ich werde mich morgen ins Getümmel stürzen und bin sehr gespannt, da ich bisher nur die Leipziger Buchmesse kenne. Frankfurt ist da ja um einiges größer. Wenn Kameras auftauchen, bin ich auch sehr schnell weg. An Promis husche ich deshalb auch schnell vorbei – meist schmunzelnd.

    • Ich wünsche dir einen interessanten Messetag! Rechtzeitig an kleine Stärkungen denken, denn der Weg zum nächsten Imbiss kann sehr weit sein ;-)

  2. Der Stand vom Ulmer Verlag sieht wirklich toll aus, und der Knesebeck Verlag war mir entfallen, danke für die Erinnerung.

    Trotzdem gilt: Buchmesse, nein danke. Ich war einmal da und verstehe nicht, was ich da soll. Verlagsvorschauen kann ich im Internet bequemer durchblättern.

    • Die Buchmesse war für mich sehr hilfreich, um mir einige Bücher anzuschauen, die in Buchhandlungen nicht unbedingt ausliegen. Ich nehme sie gern in die Hand, um zu prüfen, ob sie halten was sie im Internet versprechen.

      • Ich war einmal da, bestimmt vor so 15 Jahren. Mehr als Cover habe ich mir nicht angesehen. Amazon bietet ja den Service des Probelesenes und ich komme mit Menschenmassen (alles über 7-8 Leute), nicht gut zurecht. Das verursacht bei mir Panikattacken.

      • Bücher anzuschauen, die in Buchhandlungen nicht unbedingt ausliegen.

        – Ich habe *meine Verlage*, deren Neuerscheinungen ich einmal im Monat durchforste und deren Themenwelt recht breit gestreut ist. Ab und zu entdecke ich über Amazon einen neuen Verlag. Mir reicht das, ich bin auch nicht so der Bücherfreak.
        Bei der IAA kann man wenigstens noch Autos bewundern und sich reinsetzten (?, war noch nie da), aber ein Buch…das Cover kann ich mir auch so ansehen.

        Zur Buchmesse kommen zwar immer Einladungen von Verlagen, dass man sich mal kennenlernen könnte, aber mal ehrlich: Die haben mich schon vergessen, wenn ich ihnen den Rücken zugedreht habe, so wichtig bin ich nicht.

        Ich bin einmal da gewesen und mir ist klar geworden, dass ich dort komplett fehl am Platze bin.

        • Normalerweise bin ich auch kein Messemensch, schlechte Luft, Gedränge und viele Dinge, die ich mir auch anderswo ansehen kann. Aber es ist auch ein Ort für unerwartete Entdeckungen. Und die Bücher, die mich interessieren, kann ich nicht alle aufgrund einer Leseprobe beurteilen, auch wenn das schon hilfreich ist bezüglich Schreibstil eines Autors. Für mich ist auch die Aufmachung wichtig, ein schöner Einband, Papierqualität, der Geruch eines Buches. Bei Bildbänden natürlich die Druckqualität der Fotos und Illustrationen. Dafür brauche ich Buchhandlungen oder auch mal eine Buchmesse.

          • Bei Bildbänden natürlich die Druckqualität

            – Bei Bildbänden halte ich mich an den Taschen Verlag, Theiss, Primus und Prestel, da muss ich mir über die Druckqualität keine Gedanken machen. Wenn ein Buch mir von der Qualität nicht gefällt, dann retourniere ich es.

            Für mich hat sich die Buchmesse erledigt und wirkt auf mich sehr antiquiert – und auch, wenn ich Altes mag, ist sie einfach nicht mehr relevant für mich.

            Das einzig Amüsante daran ist, und das bezieht sich ausdrücklich nicht auf dich, wie toll, intellektuell und kultiviert sich einige Blogger finden, weil sie dort waren. Also noch mehr als im restlichen Jahr und selbst da findne sich einige unwiderstehlich. Da lohnt es sich durchaus in Blogs reinzusehen, die ich sonst geflissentlich ignoriere.

  3. Liebe Petra,

    ein sehr schöner Bericht über deinen Messebesuch. Konnte dich die Leseprobe “Salz der Erde” überzeugen? Ich freu mich schon sehr auf das Buch.

    “Planet Wüste” hört sich auch echt interessant an, bzw. die Vorschau sieht echt gut aus. Ich liebe Bildbände dieser Art und Geo ist auch so ein Markenzeichen, wo man selten daneben greift.

    Liebe Grüße
    Tobi

    • Die Leseprobe vom Salz der Erde ist wunderschön! Es sind allerdings nur Fotos abgedruckt, kein Text dazu, sie ist identisch mit der Leseprobe, die im Internet verfügbar ist. Das ist im Buch anders, daher bin ich wirklich gespannt!

  4. Mein geballter Neid sei mit Dir! Es ist Jahre her, seit meinem letzten Messebesuch, deshalb sauge ich jeden Bericht förmlich in mich hinein. Meinetwegen könntest Du ein ganzes Buch (mit ganz vielen Bildern) von der Messe schreiben und veröffentlichen, ich würds kaufen! Danke!

  5. Der Bericht kam noch rechtzeitig. So konnte ich den Anregungen nachgehen und in mindestens einem Fall auch gleich Beute machen; die lange Busfahrt nach Hause hat mich jetzt der Quantenphysik näher gebracht.

    Wird in Kürze eigens erwähnt, verarbeitet und in einem Beitrag verwurstet.

    Freundlichst
    Ihr Herr Hund

    • Ich freue mich schon auf den Beitrag, lieber Herr Hund! Quantenphysik – da tippe ich auf TibiaPress.

      • Richtig getippt.

        Phantasie: irgendwann in der Reihe zu mir selbst ein eigener kleiner Band. Dann hätte ich es geschafft. Denke, ich würde eine gute Karikatur abgeben.

        Freundlichst
        Ihr Herr Hund

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