Wissenschaftsjahr 2014 – Die DIGITALE GESELLSCHAFT

© BM für Bildung und Forschung

Als Tim Berners-Lee 1989 das World Wide Web entwickelte, um die Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern und Instituten des Kernforschungszentrums CERN zu erleichtern, hätte wohl kaum jemand erwartet, wie tiefgreifend und rasant sich die Gesellschaft dadurch verändern würde. Das Internet trug zu einer globalen Vernetzung bei und hat alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst. Deshalb widmet sich das Wissenschaftsjahr 2014 der Digitalisierung und ihrer Konsequenzen. Ohne die Digitalisierung gäbe es auch keine Blogs als zusätzliche Informationsquelle. Wie arm wäre die Welt ohne?

Da Wissenschaft für mich ein elementares Thema ist, liegt es für mich nahe, mir die Sache genauer anzuschauen.

Das Wissenschaftsjahr 2014 wurde am 19. Februar von Forschungsministerin Johanna Wanka in Berlin eröffnet. Diese Einrichtung existiert seit dem Jahr 2000 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zusammen mit der gemeinnützigen Organisation „Wissenschaft im Dialog“ initiiert. Bisher gab es unter anderem die Themen Physik, Chemie, Geisteswissenschaften und im letzten Jahr das Thema „Demografische Chance“. In diesem Jahr lautet das Motto also „Die Digitale Gesellschaft“. Das Ziel des Wissenschaftsjahres besteht darin, eine Brücke zu schlagen zwischen den Institutionen und Personen der Wissenschaft und der breiten Öffentlichkeit und einen Dialog herbeizuführen.

Wie sieht die digitale Zukunft aus und wie können wir sie nach unseren Bedürfnissen mitgestalten? Welche Impulse und Innovationen sind aus Wissenschaft und Forschung zu erwarten? Viele spannende Fragen, die im Lauf des Jahres mit Unterstützung vieler Partner wie zum Beispiel der Fraunhofer Gesellschaft, der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG oder der Helmholtz Gemeinschaft diskutiert werden können.

Auf der offiziellen Website zum Wissenschaftsjahr 2014 werden folgende Schwerpunkte vorgestellt:

Digital ist bequem: Durch das Einkaufen im Internet ist vieles einfacher geworden. Geschenke aussuchen, den preiswertesten Kühlschrank  finden und sich bequem in den 5. Stock bringen lassen, 10 Paar Schuhe in 2 Vergleichsgrößen bestellen und die nicht benötigten einfach zurückschicken, Bücher online anlesen und dank der Lesertipps gleich wissen, ob es mir gefällt oder nicht. Wer braucht schon noch den Einzelhandel, wer hat noch Lust durch Geschäfte zu schlendern, sich beraten zu lassen oder einfach etwas Unerwartetes zu entdecken? Hier wird der Frage nachgegangen, ob das Online-Shopping ein Motor der Wirtschaft ist oder die Bremse des klassischen Einzelhandels.

Digital ist gemeinsam:  Das Internet hat uns neue Wege der Kommunikation eröffnet. Durch E-Mails und SMS stehen wir ständig in Kontakt mit anderen Menschen. In sozialen Netzwerken können wir uns so darstellen, wie wir von anderen gesehen werden wollen. Durch Onlinemagazine und Blogs können wir den Informationsfluss mitgestalten oder beeinflussen. Wir sind immer für andere erreichbar, denn irgendein Kanal ist immer offen. Aber führt das auch zu mehr Gemeinschaft oder zu digitaler Vereinsamung? Verliert die echte Begegnung mit anderen Menschen an Bedeutung?

Digital ist schlau: Wer braucht schon noch ein Lexikon, um etwas nachzuschlagen? Wer muss noch in Bibliotheken nach Informationen suchen? Das gibt es doch alles im Netz, bei Wikipedia und auch noch kostenlos! Wozu noch aufschreiben, was man sich merken will, wenn sich alles speichern lässt? Doch wie verändert sich dadurch das Lernen, wie verändert sich die Gehirnaktivität und wie lange können wir uns noch Dinge merken, die wir uns gar nicht richtig erarbeitet haben? Wissen wir mehr oder verblöden wir durch das Internet?

Digital ist privat: Die Sicherheit unserer Daten ist nicht gewährleistet, denn nicht nur die NSA ist technisch in der Lage, uns auszuspionieren. Viele verzichten sogar freiwillig auf Privatsphäre, um Inhalte und Interessen miteinander zu teilen und scheren sich nicht darum, was mit ihren Daten passiert. Wo liegen die Chancen und Risiken?

Digital ist anders: Unter diesem Stichwort ist hier unter anderem der Wandel in der Herstellung von Produkten zu verstehen (Industrie 4.0). Nicht nur Menschen kommunizieren und sind miteinander vernetzt, sondern auch Maschinen, wodurch völlig neue Produktionsmöglichkeiten dank globaler Vernetzung entstehen. Mittlerweile können wir per 3D-Drucker sogar unsere eigenen Produkte herstellen. Das Internet der Dinge soll uns die Arbeit erleichtern. Dadurch wird sich die Wirtschafts- und Arbeitswelt verändern. Wie sehen die Arbeitsplätze und Fabriken der Zukunft aus?

Zu diesen Themenkomplexen wird es in diesem Jahr viele Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen im gesamten Bundesgebiet geben. Viele Projekte wie der Digitale Salon, Citizen Science oder Wissenschaft unterwegs sind auf der Website von “Wissenschaft im Dialog” zu finden. Aber es kommen sicher noch viele hinzu, da die Öffentlichkeit dazu aufgerufen ist mitzumachen und sich mit eigenen Projekten einzubringen.

Im Laufe des Jahres werde ich auf einzelne Aspekte zum Thema “Digitale Gesellschaft” eingehen, die für mich persönlich besonders interessant sind und Lesetipps für Bücher und Blog-Artikel geben. Hier gibt es schon mal eine kleine Auswahl spannender Blog-Beiträge:

Thema Arbeitswelt: Gunnar Sohn beleuchtet in seinem Blog-Artikel Wie die deutsche Elite im Digitalen versagt das Versagen der Politik und vieler Unternehmen im Umgang mit dem digitalen Wandel sowie die mangelhafte digitale Infrastruktur, die unsere Wirtschaft ins Hintertreffen gegenüber der Konkurrenz aus anderen Ländern bringt.

Thema Medienlandschaft: Besonders die Literaturblogs sind in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen und setzen den etablierten Rezensionsbetrieb der Feuilletons unter Druck. Zur Legitimation professioneller Rezensenten vs. Hobbykritiker und den Qualitätskriterien hat die Bloggerin Mara Giese kürzlich ein lesenswertes Interview mit der Literaturkritikerin Sigrid Löffler geführt, das auch in der Bloggerlandschaft für heftige Diskussionen sorgte.

Thema Technik: Ohne Informatik ist die Digitalisierung unserer Gesellschaft nicht denkbar. Offenbar zufällig ist mit Beginn des Wissenschaftsjahres soeben ein neues Printmagazin namens “digitale welt” erschienen. Hier wird eine Lanze für die Informatik gebrochen. Den Hinweis verdanke ich dem Blog Eulen aus Athen, in dem griechische Start-Ups aus der IT-Branche vorgestellt werden.

Die digitale Gesellschaft hat sehr viele Facetten. Sie birgt viele Chancen, aber auch Bedrohungen, mit denen wir uns auseinandersetzen sollten. Nichts ist schlimmer als zu wenig Information. Daher bin ich sehr gespannt, was in diesem Wissenschaftsjahr so alles angeboten wird und hoffe, dass möglichst viele Menschen mitmachen!

Beitrag empfehlen

3 Kommentare

  1. Sehr interessant! Und vielen Dank für die Nennung von ‘Eulen aus Athen’

  2. Pingback:Peter Finke: Citizen Science – Das unterschätzte Wissen der Laien – Elementares Lesen

Schreibe einen Kommentar zu Petra Wiemann Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.