Masha Gessen: Der Beweis des Jahrhunderts – Die faszinierende Geschichte des Mathematikers Grigori Perelman

Cover Gessen Perelman

© Suhrkamp

Im Jahr 2002 gelang es dem Russen Grigori Perelman, eines der großen mathematischen Rätsel des letzten Jahrhunderts zu knacken: die Poincaré-Vermutung. Das Preisgeld von einer Million Dollar, das für die Lösung dieses Rätsels ausgesetzt worden war, lehnte er ab. Und er verweigerte die Annahme der renommierten Fields-Medaille, der höchsten Auszeichnung in der mathematischen Welt.

Die russische Journalistin Masha Gessen hat eine spannende Biografie über Grigori Perelman vorgelegt.  Da der Mathematiker seit vielen Jahren jeglichen Kontakt zur Öffentlichkeit meidet, war es unmöglich ihn persönlich zu befragen. Also hat die Autorin sich seiner Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln angenähert. Sie beschreibt das russische Bildungssystem, das ihn geprägt hat, sprach mit vielen Weggefährten, Lehrern, Förderern, und beleuchtet den internationalen akademischen Betrieb mit seinen ungeschriebenen Gesetzen.

Masha Gessen ist ebenso wie Perelman in einer jüdischen Familie in Russland aufgewachsen und hat sich als Jugendliche viel mit Mathematik beschäftigt. Ihre Faszination für das Thema hat sie sich bewahrt. 2012 veröffentlichte sie eine sehr kritische und vielbeachtete Biografie über Wladimir Putin. Als Journalistin ist sie heute für diverse Magazine in Amerika und Großbritannien tätig.

In ihrem neuen Buch beschreibt sie, wie die Mathematik sich im Sowjetsystem des 20. Jahrhunderts eine Art Sonderstellung erhalten konnte. Im Gegensatz zu anderen Wissenschaftszweigen war sie weniger ideologisch behaftet und entwickelte sich daher zu einem Hort der Liberalität. Talentierte Schüler konnten ihre Fähigkeiten in speziellen Schulen und durch Förderungsmaßnahmen verbessern und in vielen Mathematik-Wettbewerben anwenden.

In dieser Welt galt Perelman als Eigenbrötler, denn er zeigte wenig Interesse an Freundschaften und Vergnügen. Man musste ihn daran erinnern, regelmäßig zu essen und sich zu waschen. Er arbeitete sehr hart an der Lösung mathematischer Probleme und erwartete das auch von anderen. Als höchste Auszeichnung errang er 1982 die Goldmedaille auf der IMO, der Internationalen Mathematik-Olympiade in Budapest, mit der höchstmöglichen Punktzahl.

Gessen zeichnet ein kritisches Bild vom Antisemitismus in der Sowjetunion, der viele kluge Köpfe an einer wissenschaftlichen Karriere gehindert hat. Auch ihre eigene Familie hatte unter Diskriminierung zu leiden und emigrierte 1981 nach Amerika. Diese persönlichen Erfahrungen lässt sie immer wieder in ihr Buch einfließen. Perelman hingegen, der als großes Talent galt, hatte immer genug Förderer und Beschützer, die ihn vor den üblichen Hindernissen bewahren konnten. Was um ihn herum vor sich ging, lag außerhalb seiner Wahrnehmung, da er ganz auf die Mathematik fokussiert war und sich nicht für Politik interessierte.

Nach der Promotion arbeitete er einige Jahre in den USA. Dort standen ihm Positionen an den renom­miertesten Universitäten offen, doch Perelman wies alle Angebote zurück, da sie nicht seinen Erwar­tungen entsprachen. Enttäuscht kehrte er daher an die Universität von St. Petersburg zurück und konzentrierte sich auf sein Spezialgebiet, die Topologie.

Als er einige Jahre später den Beweis für die Poincaré-Vermutung veröffentlichte, beschritt er einen ungewöhnlichen Weg. Statt sich an eine Fachzeitschrift zu wenden, publizierte er direkt auf dem frei zugänglichen Wissenschaftsserver arXiv und informierte nur einige Mathematiker per email. Seine Arbeit erschien in 3 Teilen und umfasste nur etwa 67 Seiten, also ein hochkonzentrierter Text, dessen Bedeutung der Fachwelt aber schnell klarwurde.

Bei der 1904 aufgestellten Poincaré-Vermutung geht es grob gesagt um dreidimensionale Körper in vierdimensionalen Räumen. Daraus lassen sich z.B. auch Fragen zur möglichen Kugelform des Universums ableiten und ob das Universum einen Rand hat. Gessen widmet diesem Thema ein einziges Kapitel, in dem sie die mathematische Vorgeschichte erklärt und dann ausführlich auf die Vermutung von Poincaré und Perelmans Beweis dazu eingeht.

Bis die Mathematiker Perelmans Beweis überprüft hatten, vergingen mehrere Jahre. In dieser Zeit versuchten Trittbrettfahrer den Ruhm für diese Leistung für sich zu beanspruchen. Intrigen wurden gesponnen, die die akademische Welt nicht gerade in rosigem Licht erscheinen lassen. Doch Perelman reagierte nicht auf all diese Ereignisse. Sein Rückzug hatte bereits begonnen. Es gab Personen und Institutionen, deren Respekt und Anerkennung er sich erhofft, aber nicht wie gewünscht erhalten hatte. 2005 kündigte er überraschend seine Stellung an der Universität von St. Petersburg und zog sich völlig aus der Welt der Mathematik zurück.

Man muss kein Mathefreak sein, um dieses Buch spannend zu finden. Auch wer gern Biografien über interessante Persönlichkeiten liest oder etwas über die Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts erfahren möchte, wird dieses Buch schätzen. Die Annäherung an diesen rätselhaften, genialen Menschen ist der Autorin sehr gut und glaubwürdig gelungen. Wenn es auch nicht möglich ist, Perelman zu verstehen, so können wir uns doch die Frage stellen, ob es einer rigiden, auf ein einziges Ziel konzentrierten Persönlichkeit bedarf, um zu schaffen, was Perelman gelungen ist: nämlich den Beweis des Jahrhunderts zu liefern.

Verlosung zum Welttag des Buches am 23. April 2014, Teilnahme bis 30.04.2014

Heute wird wieder der Welttag des Buches begangen, ein Feiertag für die Lesekultur! In vielen Buchhandlungen weltweit gibt es tolle Veranstaltungen zu diesem Thema. Und auch bei den deutschsprachigen Literatur-Blogs wird dieser Tag gefeiert dank der Initiative von  Dagmar Eckhardt und Christina Mettge. Die beiden haben im letzten Jahr die Aktion Blogger schenken Lesefreude ins Leben gerufen. Alle teilnehmenden Blogs verlosen Bücher an ihre Leser.

Und auch bei mir gibt es natürlich etwas zu gewinnen, nämlich das hier vorgestellte Buch von Masha Gessen. Jeder Kommentar bis zum 30. April 2014 nimmt an der Verlosung teil. Der Gewinner wird dann per mail von mir benachrichtigt. Allen Teilnehmenden drücke ich schon mal die Daumen!

Masha Gessen: Der Beweis des Jahrhunderts – Die faszinierende Geschichte des Mathematikers Grigori Perelman
Aus dem Englischen von Michael Müller
Suhrkamp Verlag 3. Auflage 2013
ISBN 978-3-518-42370-7 gebunden
ISBN 978-3-518-46527-1 Taschenbuch

31 Kommentare

  1. Pingback:Zum Welttag des Buches: Ich verschenke ein Exemplar von “Die Neuentdeckung des Himmels” – Astrodicticum Simplex

  2. Auch wenn ich grundsätzlich nicht gewinne – die Hoffnung stirbt bekantlich zuletzt. Daher nehme ich mal teil.

  3. Das Buch hört sich sehr interessant an. Da werfe ich mich doch mal in die Lostrommel. Bei mir gibt es ein Buch zur Astronomie “Raumsonde Rosetta”. Quasi Druckfrisch und erst am 6.4. erschienen. Vielleicht kommst Du vorbei und lässt ein hallo da.
    Viele Grüße
    Stefan

  4. Selbst wenn ich nicht gewinnen sollte, werde ich’s mir wohl kaufen, klingt äußerst faszinierend.

  5. Nehme teil.

  6. Ich werde es mal versuchen , es klingt interessant !

  7. da habe ich definitiv eine (von vielen) wissenslücken. gerne fülle ich die auf und versuche mal mein glück. klingt interessant.

  8. Da ich sehr viel Interesse an Mathematik habe, würde ich mich sehr über das Buch freuen.
    Vg Lena

  9. Thomas Heinrichs

    Hallo:)
    Ich würde mich ebenfalls sehr über ein solches Buch freuen da ich von Mathematik und Physik recht besessen bin. Vor allem hört es sich sehr interessant an. Versuchen kann man es ja immer :)
    Mit Freundlichen Grüßen,
    Thomas Heinrichs

  10. Ich will unbedingt dieses Buch haben, da ich Mathematik und Physik liebe :)

  11. Geschichten die das Leben schreibt! Ich liebe spannende Biografien!

  12. Perelman hat mich maßgeblich bei meiner Entscheidung beeinflusst, Mathematik zu studieren. Nicht, dass ich auch nur annähernd seine Fähigkeiten hätte – aber einmal eine Fields-Medaille ausschlagen, das wär’s! ;)

  13. Hört sich gut an, bin immer an Wissensvermehrung interessiert.
    Grüße Sonja

  14. Das Buch klingt ja sehr interessant, deshalb hüpfe ich mal in den Lostopf. ;-)

  15. Das Buch hört sich sehr interessant an – ich würde es gerne gewinnen und beim Lesen auch mal an meine Vergangenheit mit nachdenken …

  16. Hört sich nach einem faszinierenden Buch über einen faszinierenden Menschen an. Nehme gerne an der Verlosung teil!
    LG Lars

  17. Ich bin selbst Mathematikerin und Topologin und möchte dieses Buch eigentlich schon lange lesen, also nehme ich gern teil. :)
    LG, becky

  18. Hallo,

    ich hatte in der Schule immer Spaß an Mathe und mich hat es total geärgert, dass erst mal grundsätzlich unterstellt wird, dass Mädchen das nicht so gut können. In der Oberstufe hatte ich das Fach dann auch als Leistungskurs. Das Buch hört sich interessant an, da nehme ich gerne an der Verlosung teil.

    Viele Grüße
    Kristina H.

  19. Oh, das klingt spannend! Die Geschichte von Perelman habe ich in kürzeren Artikeln schon zu verfolgen versucht, das Buch wäre natürlich der Hammer! Danke für diese Gelegenheit! :)

  20. Sehr sehr interessant. Dieser Name ist mir bisher nie untergekommen.
    Ich bin zwar kein hardcore Mathematiker, interessieren tut es mich aber allerwei.
    Also nehme ich sehr gerne an der Verlosung teil! :)

  21. Klingt interessant – bin dabei!

  22. Das Buch möchte ich auch gerne haben!

  23. Zauberhafte Aktion – bei der ich sehr, sehr gerne mitmachen möchte! :)

  24. Hey :-)
    Das Buch ist direkt auf meine Wunschliste gewandert und ich versuche gerne mein Glück.

    Ein schönes Wochenende und viele liebe Grüße
    Fiona

  25. Da mache ich auch mal mit.

  26. Hallo,
    dieses Buch würde ich gerne für meinen Mann gewinnen. Das gefällt ihm bestimmt sehr gut.
    LG
    Christine

  27. Hey. Ab in den Lostopf !

  28. Hallo, das Buch habe ich mir schon lange angeschaut. Vielen Dank für diese tolle Chance.
    Liebe Grüße
    Anastasia

  29. Ich würde sehr sehr gerne mitmachen. Danke Dir !!!

    Liebe Grüße
    Petra

  30. Das klingt hoch spannend! Ich würde gerne gewinnen ;-)

  31. Das Buch klingt wirklich sehr, sehr interessant und ich würde mich riesig freuen es zu gewinnen! :-) Lg, Meli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.