Henning Beck: Biologie des Geistesblitzes – Speed up your mind!

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Wie funktioniert das menschliche Gehirn? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein echter Geistesblitz zustande kommt? Ist dazu jeder in der Lage? Was kann ich selbst dafür tun, um einen kreativen Gedanken  hervorzubringen?

Das alles erklärt uns der promovierte Neurobiologe Henning Beck. Seine bevorzugte Disziplin ist der Science Slam, eine Präsentationsform, bei der es darum geht, im Wettbewerb gegen andere Slammer innerhalb eines kurzen Zeitraums (meist 5 oder 10 Minuten) eine wissenschaftliche Fragestellung möglichst originell und verständlich zu erläutern. Henning Beck hat schon viele solche Wettbewerbe gewonnen. Gelingt es ihm auch auf der Langstrecke eines Buches, seinen Lesern einen schwierigen Stoff zu vermitteln?

Nach der Lektüre dieses Buches kann ich diese Frage ausdrücklich bejahen! In vier gut strukturierten, klug aufgebauten Kapiteln werden die Funktionsweise des menschlichen Gehirns und das komplizierte Zusammenspiel der Nervenzellen beschrieben. Dabei helfen die auf das wesentliche konzentrierten Abbildungen ebenso wie die sehr guten Erläuterungen der wichtigsten Fachbegriffe. Diese befinden sich auch nochmal im Glossar am Ende des Buches.

Was unterscheidet unser Gehirn von einem Computer, mit dem es immer wieder verglichen wird? Das Gehirn ist in der Lage, Tricks anzuwenden, Abkürzungen zu nehmen und vor allem, aus Fehlern zu lernen und neue Ideen hervorzubringen. Networking und Arbeitsteilung sind wichtige Prinzipien, damit alles funktioniert, denn keine Nervenzelle arbeitet für sich allein.

Obwohl Computer viel schneller und leistungsstärker sind, ist das menschliche Gehirn ihnen überlegen. Es lernt ständig dazu und verändert sich in einem dynamischen Prozess. Hier liegt auch die Quelle der menschlichen Kreativität: auszuprobieren, aus Fehlern zu lernen, abwegige Ideen mit einzubeziehen. Schon das Zaubern einen Abendessens aus den Resten im Kühlschrank ist laut Henning Beck ein Akt der Kreativität, zu dem jeder Mensch fähig ist. Zu wahrer Kreativität bedarf es allerdings einiger fundamentaler Voraussetzungen: Intelligenz, Wissen, Motivation und Persönlichkeit. Nur mit diesen Grundlagen können besondere schöpferische Leistungen oder geniale Ideen entstehen. Wer diese Eigenschaften nicht in ausreichendem Maß mitbringt, dem gibt der Autor zum Trost ein paar Tipps, wie sich kreative Gedanken hervorlocken lassen.

Auch wenn ein Geistesblitz spontan entstanden zu sein scheint, ist er doch das Ergebnis eines langen Denkprozesses. Erst wenn ein Geistesblitz gereift ist, taucht er an der Oberfläche des Bewusstseins auf und wird sofort als richtig erkannt. Alle Gehirnareale werden gebraucht, um ihn hervorzubringen.

Obwohl die Hirnforschung dank auch im Buch erläuterter Messmethoden schon viele Erkenntnisse zur Kreativität zusammengetragen hat, gibt es noch sehr viele offene Fragen. Man kann dem Gehirn eben nicht einfach beim Denken zusehen. Dazu ist es viel zu komplex. Genau das macht für Henning Beck auch den Reiz der Neurowissenschaft aus. Seine Begeisterung für die Schönheit des Gehirns und der Nervenzellen ist einfach ansteckend. In diesem Trailer zum Buch gibt er einen sehr guten Eindruck davon:

Durch seine witzigen Analogien wie z.B. dem Nervensystem als Transport- und Logistikunternehmen oder wenn er die „Versorgungsleitungen“ und „Sicherungskästen“ im Hirnstamm beschreibt,  bringt mich der Autor beim Lesen immer wieder zum Schmunzeln. Alle Talente, die er beim Science Slam einsetzt, kommen auch hier voll zur Geltung: Humor, originelle Formulierungen, Neugier wecken, Dinge auf den Punkt bringen. Sein Buch ist nicht nur für wissenschaftlich interessierte Laien eine gewinnbringende Lektüre. Auch für Studenten der Medizin oder Biowissenschaften könnte es einen guten Einstieg bieten, denn es erklärt wichtige Grundlagen der Neuro- und der Zellbiologie auf spielerische, lockere Art und Weise.

Henning Beck: Biologie des Geistesblitzes
Verlag SpringerSpektrum 2013
ISBN 978-3-642-36532-4

 

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