Andreas Honegger/Urs Möckli: Das Gedächtnis der Bäume

Cover Honegger Möckli Gedächtnis der Bäume

© Elisabeth Sandmann Verlag

Versteinerte Bäume besitzen eine ganz eigenwillige Schönheit. Davon kann man sich im Bildband Das Gedächtnis der Bäume überzeugen. Im Buch sind urzeitliche Nadel- und Laubbäume zu sehen, die vor vielen Millionen Jahren in Sümpfen, unter Sedimenten oder Vulkanasche eingeschlossen und dann fossiliert wurden. Nach ihrer Wiederentdeckung wurden die Fundstücke aufgeschnitten und poliert, so dass fantastische Details ans Licht kommen. Der Journalist und studierte Geologe Andreas Honegger erläutert die Entstehungsgeschichte dieser beeindruckenden Fossilien. Die brillanten Fotos stammen vom Fotoreporter Urs Möckli.

Der Bildband zeigt Baumstämme aus Madagaskar, wo sich eine berühmte Fundstätte für Mineralien- und Fossiliensammler befindet; farbenprächtige Nadelbaumscheiben aus der Trias, deren Stämme im Petrified Forest, Arizona, gefunden wurden – heute ein geschützter Nationalpark; versteinerte Laubbäume aus dem Nordwesten der USA, die unter Vulkanasche verborgen waren, und Diverses aus anderen Teilen der Erde, auch aus Deutschland und der Antarktis.

Auf dem Cover prangt unten der Stamm einer 220 Millionen Jahre alten Araukarie aus Madagaskar. Die Baumscheibe im oberen Teil stammt ebenfalls von einer Araukarie und wurde im Petrified Forest in Arizona entdeckt. Siliziumdioxid und Quarze haben das organische Material ersetzt. Die markante Grünfärbung entstand durch Chrom in der Umgebung des versteinerten Baums. Andere Objekte, die im Buch abgebildet sind, verfärbten sich durch Metalle wie Mangan oder Eisen, sodass die Baumscheiben in allen Farben schillern.

Verblüffend ist die unterschiedliche Struktur der Bäume. Bei manchen sind die Jahresringe bis ins kleinste Detail erkennbar. Beim Ulmenholz zeigen sich haarfeine Poren. Es gibt Bäume mit linsenförmigen Einschlüssen, eine Sumpfzypresse, die wie ein Gehirn aussieht, und versteinerte Äste mit Käferfraßspuren. Das Holz wirkt ungeheuer lebendig!

Erst unter dem Elektronenmikroskop lassen sich die meisten Funde botanisch zuordnen und erkennen, aus welchen geologischen Epochen sie stammen. Die ersten Bäumen entstanden vor etwa 390 Millionen Jahren. Dazu gibt es im Buch eine aufschlussreiche geologische Tafel mit Betonung der Pflanzenevolution und ein kurzer Überblick zur Entstehung des irdischen Lebens.

In den Baumscheiben stecken Spuren der Erdgeschichte und Informationen über den Prozess ihrer Versteinerung. Alle Objekte stammen aus der Sammlung des Schweizers Hans Jakob Siber, einem Hobbypaläontologen und Mineralienhändler, der sie über einen Zeitraum von über vierzig Jahren zusammengetragen hat. Die meisten hier abgebildeten Funde sind im von Siber begründeten Sauriermuseum im Aathal bei Zürich ausgestellt. Wem die Reise zu weit ist, kann sie im prachtvollen Bildband Das Gedächtnis der Bäume bewundern.

Nominiert als Wissensbuch des Jahres 2019 in der Kategorie Ästhetik

Andreas Honegger/Urs Möckli: Das Gedächtnis der Bäume – Versteinerte Hölzer. Erinnerte Spuren
Elisabeth Sandmann Verlag 2018, 144 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen
ISBN 978-3-945543-42-9

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6 Kommentare

  1. Von den wirklich schönen Büchern des Verlags bin ich immer wieder begeistert. Dieses gehört dazu.

  2. Das Buch ist vorgemerkt. Für mich eine spannende Sache, da wir hier noch einige Stücke versteinerten Holzes liegen haben. Wir haben sie vor Jahrzehnten in Patagonien mitgenommen. Damals waren die versteinerten Wälder dort noch kaum bekannt und es gab weder Hinweisschilder noch Zäune & man musste auf höllischen Geröllpisten stundenlang fahren, um dort hinzukommen.

    Bis heute betrachte ich sie mit einem etwas schlechten Gewissen … heute würde ich da nicht einen Kiesel mehr mitnehmen. Es steht auch alles unter Schutz jetzt und das ist natürlich richtig so!

    Aber es reizt mich jetzt, mehr herauszufinden. Danke für den Fund!

    • Es muss faszinierend sein, so einen versteinerten Wald zu sehen! Im Buch wird auch thematisiert, dass die Fundstätten in Madagaskar nicht geschützt sind, da sie eine wertvolle Einnahmequelle für die Bewohner darstellen. Inzwischen sind wir ja sensibilisiert für den Schutz solcher Kostbarkeiten!

  3. Das lässt mich erinnern an den “Bachler Sepp”, dessen Mineralien und Insektensammlung ich in Schenna, Tirol, vor gut einem Jahr begutachten durfte.

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