Jo Marchant: Die Entschlüsselung des Himmels

Cover Marchant Entschluesselung des Himmels

© Rowohlt

Im Jahr 1900 fanden Schwammtaucher vor der Insel Antikythera in einem Schiffswrack ein geheimnisvolles Bronzeartefakt. Es bestand aus mehreren übereinander gelagerten Schichten von Zahnrädern und wies griechische Inschriften auf. Man vermutete zunächst, dass es sich um ein Uhrwerk oder ein Astrolabium handelte. Als jedoch der Zeitpunkt des Schiffsuntergangs auf etwa 60 bis 70 v. Chr. datiert wurde, war klar, dass dieses Instrument etwas ganz besonders war. Denn so komplexe Geräte waren aus dieser Epoche nicht bekannt! Jo Marchant erzählt in ihrem Buch Die Entschlüsselung des Himmels die spannende Geschichte des Mechanismus von Antikythera und der Wissenschaftler, die dessen Rätsel zu lösen versuchten.

Der Fund wurde im Archäologischen Nationalmuseum in Athen aufbewahrt, geriet jedoch lange Zeit in Vergessenheit. Erst  in den 1950er Jahren begann der Wissenschaftshistoriker Derek de Solla Price, sich intensiv damit zu beschäftigen. Durch die Nutzung von Röntgentechnologie konnte er auch die verborgenen Schichten des Instruments untersuchen. Price erkannte in jahrzehntelanger Forschung, dass das Gerät u.a. als Mondkalender diente.

Der nächste, der dem Gerät verfiel, war Michael Wright, ein Kurator des Londoner Science Museums. Er baute in den 1990er Jahren eine Rekonstruktion des Mechanismus und stellte fest, dass sich damit auch die Bewegungen der Planeten anzeigen lassen.

Die besten Forschungsbedingungen hatte jedoch das Team um den Mathematiker und Dokumentarfilmer Tony Freeth. Weitere Durchleuchtungen der Bruchstücke mithilfe der Tomographie und moderner Bildbearbeitungssoftware enthüllten immer neue Details. Doch die letzten Geheimnisse konnten erst mit der Wiederentdeckung weiterer Fragmente im Jahr 2006 entschlüsselt werden. Auch die Entzifferung der  Inschriften wurde erst jetzt möglich. Damit konnte dieses archäologische Rätsel endlich gelöst werden:

Wer auch immer die Kurbel an der Seite seines hölzernen Gehäuses gedreht hatte, wurde zum Herrn des Kosmos und konnte die Gestirne vorwärts und rückwärts laufen lassen, um das Geschehen am Himmel in jedem beliebigen Augenblick zu betrachten. Zeiger auf der Vorderseite zeigten die sich verändernden Positionen von Sonne, Mond und Planeten im Tierkreis, das Datum und auch die Mondphasen an, während spiralförmige Zifferblätter auf der Rückseite die Monate und Jahre entsprechend einem Sonne-Mond-Kalender und zusätzlich das Auftreten von Verfinsterungen anzeigten.

In einem Gänsehaut verursachenden Kurzfilm erzählt Tony Freeth von der Erforschung des Antikythera-Mechanismus:

Die Komplexität dieses Geräts verblüfft noch heute, besonders die technische Fertigkeit, diverse astronomische Zyklen in einem Instrument zu integrieren.

Nach der Lektüre dieses fesselnden Buch wird klar, warum so viele Wissenschaftler von dem Gerät besessen waren und Jahrzehnte ihres Lebens seiner Erforschung widmeten. Denn der Fund ist einzigartig und ermöglicht Einblicke in das verloren gegangene Wissen der griechischen Antike.

Jo Marchant: Die Entschlüsselung des Himmels – Der erste Computer – ein 2000 Jahre altes Rätsel wird gelöst
Aus dem Englischen von Monika Niehaus
Verlag Rowohlt 2011
ISBN 978-3-498-04517-3

Ein Kommentar

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