Stefano Mancuso: Die unglaubliche Reise der Pflanzen

Cover Mancuso Reise Pflanzen

© Klett-Cotta

Pflanzen sind fest verwurzelt und ortsgebunden. Doch sie haben Strategien entwickelt, um in entfernte Regionen vorzudringen. Stefano Mancuso, der italienische Botanik-Professor und Experte für die Neurobiologie von Pflanzen, schwärmt in seinem Buch Die unglaubliche Reise der Pflanzen von ihren Fähigkeiten, sich anzupassen und auszubreiten.

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, da ich bereits einige Bücher des Autors kenne: Das Buch Die Intelligenz der Pflanzen, zusammen mit Alessandra Viola, hat mich wirklich begeistert! Auch Aus Liebe zu den Pflanzen, seine interessanten Kurzbiografien über diverse Botaniker, habe ich gern gelesen. Nun also reisende Pflanzen.

Pioniere und Flüchtlinge, mutige Kapitäne, Zeitreisende, Einsiedler und Anachronisten – so charakterisiert Mancuso die Pflanzen in seinem neuen Buch. Die Geschichte dieser Pflanzen erzählt der Autor oft anekdotisch-mäandernd. Mal steht ein Forscher im Fokus, mal eine Legende, die sich um eine besondere Pflanze “rankt”.

Bei der Kokospalme nimmt Mancuso Darwins Experimente zur Verbreitung von Pflanzensamen als Ausgangspunkt. Dann überrascht er mit der Geschichte des Aussteigers August Engelhardt und dessen sonderbarem Sonnen- und Kokosnusskult. Und schon landen wir bei der Fähigkeit der Kokosnuss, monatelang im salzigen Meerwasser zu überdauern, weshalb sie mit den Meeresströmungen den gesamten Pazifikraum besiedelte.

Pflanzen können Erstaunliches leisten. Wir treffen auf

  • Pflanzen, die Katastrophen überlebten – wie die Bäume, die der Atombombe von Hiroshima ausgesetzt waren
  • Arten, die aus botanischen Gärten entwischten – wie die stark wuchernde Wasserhyazinthe, die als “pflanzliche Verkörperung des Bösen” verunglimpft wird
  • Pflanzen, die als einzige Überlebende ihrer Art die Zeiten überdauerten – wie die Samen einer Dattelpalme aus der antiken Festung Masada, die 1965 von Archäologen in einem Tontopf gefunden wurden und 2005 in einem Labor wieder keimten!

In kurzen Kapiteln erfahren wir, welche Tricks Pflanzen zum Anlocken von Bestäubern nutzen, wie sie extreme Trockenheit oder bittere Kälte überstehen oder wie sie ihre Samen verbreiten. Da ragt besonders der Sandbüchsenbaum hervor, eine tropische Art, die auch Dynamitbaum genannt wird: die reife Frucht des Baums explodiert und schleudert ihre Samen mit 250 km/h über 40 Meter weit!

Wer hätte gedacht, dass Pflanzen durch Raum und Zeit reisen können! Die unglaubliche Reise der Pflanzen enthält eine Fülle faszinierender Geschichten! Doch war mein Lesevergnügen etwas getrübt, denn Stefano Mancuso leistet sich etliche Abschweifungen, die mich weniger interessierten. Dennoch habe ich viel Spannendes über Pflanzen erfahren und empfehle das Buch als Geschenk für botanisch Interessierte. Besonders überzeugt die gelungene Gestaltung: eine Halbleinen-Ausgabe mit Lesebändchen und hinreißenden Illustrationen von Grisha Fisher! Inseln und Kontinente in Blattform, die mit botanischen Begriffen beschriftet sind – einfach bezaubernd!

Stefano Mancuso: Die unglaubliche Reise der Pflanzen
Aus dem Italienischen von Andreas Thomsen
Klett-Cotta Verlag 2020, 154 Seiten in Halbleinen, mit Aquarellen von Grisha Fisher
ISBN 978-3-608-98192-6
Leseprobe

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5 Kommentare

  1. Das hört sich gut an. Mein Steckenpferd sind ja Reiseberichte und die Entdeckung der Welt, da muss das eigentlich in mein Bücherregal!
    Spontan denke ich an die Brotfrucht-Expedition der Bounty, aber auch an die vielen Pflanzen, die erst William Dampier durch seine Beschreibungen in der westlichen Welt bekannt gemacht hat.

    Welcher Art sind die Abschweifungen, die dich nicht so interessiert haben?

    Ich wünsche dir & den deinen alles Gute & Gesundheit :)

    • Da habe ich für dich noch einen tollen Buchtipp: “Unendlicher Pazifik” von Philip Hatfield! Dampiers Reisen werden darin erwähnt, aber es gibt noch viel mehr über Seefahrer, Forschungsreisen etc. Bisher habe ich nur drin geblättert, aber es macht einen tollen Eindruck!
      Nun zu deiner Frage: Mancuso hat für meinen Geschmack oft zu weit ausgeholt. Z.B. waren die biografischen Infos zu einigen Personen ausführlicher als die botanischen Aspekte, zum Beispiel über Frederick Russell Burnham, der die Wasserhyazinthe mit Flusspferden bekämpfen wollte. Da hätte ich mir eine andere Gewichtung gewünscht. Aber das ist Geschmackssache.
      Liebe Grüße und alles Gute auch für dich und deine Lieben :-)

  2. Danke für den Tipp. Auch das Buch ist sehr verlockend; die Wunschliste wächst … hätte ich nur mehr Zeit! Ich könnte mich den Rest meines Lebens nur noch damit beschäftigen.

  3. Ahoi Petra,

    danke für diesen interessanten Lesetipp; von diesem Buch habe ich noch nichts gehört! Die Natur bereitet wirklich immer wieder Wunder…

    Sonnige Grüße
    Ronja von oceanloveR

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