Wandlungskünstler – Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten

Cover Wandlungskünstler

© Dölling & Galitz

Larve und adultes Tier: viele Insekten sind nach der Metamorphose nicht wiederzuerkennen. Der Bildband Wandlungskünstler – Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten zeigt beides. Wir befinden uns Auge in Auge mit Goldfliegen, Hornissen und bezaubernden Gestalten wie dem Hauhechel-Bläuling, der das Cover des Buches ziert. Kaum zu fassen, dass aus der grünen, stachelbewehrten Larve (unten links) einmal ein wunderschöner Schmetterling wird!

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe auf der Erde mit Millionen größtenteils noch unbekannten Arten und einer gewaltigen Bandbreite an Erscheinungsformen. Was sie verbindet, sind ihr dreiteiliger, eingeschnittener Körperbau (insectum = eingeschnitten) und ihre noch nicht vollständig erforschte Metamorphose, die in mehreren Entwicklungsstadien verläuft.

Zwanzig Insekten haben die Fotografen Nicole Ottawa und Oliver Meckes ausgewählt und mit wunderschönen Makrofotografien und REM-Aufnahmen (mit einem Rasterelektronenmikroskop) porträtiert. Inspiriert wurde das Paar von den Insekten am heimischen Gartenteich. Aus diesem Grund treffen wir im Bildband auf eigentlich vertraute Arten, zum Beispiel die Kriebelmücke, den Schwimmkäfer oder die Eintagsfliege. Doch so wie hier haben wir sie noch nie gesehen! Denn Ottawa und Meckes sind versierte Wissenschaftsfotografen, die sich auf Mikrofotografie spezialisiert haben. (Davon zeugt auch ihre Website Eye of Science.) Vor den Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop präparierten sie die Insekten in einem komplizierten mehrtägigen Prozess. In ihrem Labor kamen Fixierlösungen, Alkohol, flüssiges Kohlendioxid, Gold oder Palladium zum Einsatz – faszinierend! Im Vakuum sind fantastische Detailaufnahmen entstanden, die die Tiere vor und nach ihrer Verwandlung zeigen – in unglaublicher Vergrößerung und fremdartig wie von einem anderen Stern!

Sechs Insektenordnungen stellen sie vor: Schmetterlinge, Käfer, Libellen, Hautflügler, Fliegen (und sogenannte Fliegen) und Mücken. Die Biologin und Sachbuch-Autorin Veronika Straaß und der Journalist Claus-Peter Lieckfeld steuern Wissenswertes über die Besonderheiten dieser Gruppen und die ausgewählten Arten bei. In ihren lockeren und humorvollen Texten erfahren wir zum Beispiel, warum die Larven des Braunen Pelzkäfers mit ihrer Vorliebe für Haare, Pelz und Wolle als “Schrecken der Museen” gelten und warum sie bei Forensikern so beliebt sind, denn sie sind die “letzten Zeugen am Tatort”.

Mit freundlicher Genehmigung des Verlags Dölling & Galitz

Libellen wie die hier abgebildete Adonisjungfer zählen zu den Sprintweltmeistern im Tierreich. Der raffinierte Aufbau ihrer Flügel ermöglicht ihnen rasante und extrem leise Flugmanöver, um Beute zu fangen, die für andere unerreichbar ist. Auch ihre Facettenaugen, die aus bis zu 30.000 Einzelaugen bestehen und einen 360-Grad-Rundumblick ermöglichen, tragen zum Erfolg der Libellen bei.

Besonders gespannt war ich auf die Florfliegenlarven, da sie besonders nützlich sind im Kampf gegen Blattläuse. Sie sehen echt gruselig aus mit ihren kräftigen Saugzangen! Damit packen sie ihre Beute. Bis sie sich nach zwei bis drei Wochen verpuppen, fressen sie 200 bis 500 Blattläuse. Aber ich habe noch einen weiteren Nützling entdeckt: die Blattlauswespe. Sie ernährt sich von Nektar, doch ihre Eier legt sie in die Körper lebendiger Läuse. Die geschlüpften Larven verspeisen die Läuse von innen und legen als adulte Tiere wiederum Eier in Blattläuse – ideal für den Biogarten!

Wenn man diesen Kreaturen so direkt ins Gesicht schauen kann, ist der Unterschied zwischen Larven und ihren erwachsenen Erscheinungsformen besonders frappierend: aus unförmigen Pummelchen entstehen filigrane Lebewesen mit riesigen Facettenaugen und feinfühligen Antennen. Während die Kriebelmückenlarve ihre Nahrung mit Fangkeschern aus dem Wasser filtert, benutzt das erwachsene Tier kräftige Beißwerkzeuge, um an das Blut seiner Opfer zu kommen. Statt der stacheligen Hülle der Marienkäfer-Larve verfügt der erwachsene Käfer über robuste, chitinhaltige Flügel. Und die grüne Larve des Hauhechel-Bläulings ist im Klee bestens getarnt im Gegensatz zum ausgewachsenen, auffällig blauen Falter.

In der Metamorphose liegt auch ein Teil des Erfolgs der Insekten. Sie konkurrieren in den verschiedenen Stadien nicht um Nahrung, haben unterschiedliche Bedürfnisse und bewohnen teils verschiedene Lebensräume.

Die unterhaltsamen Texte des Buches bieten den idealen Einstieg in das Leben der Insekten, das uns sonst eher verborgen bleibt. Doch das Highlight sind die genialen Aufnahmen, die uns die Insekten in ungewohnter Detailfreude zeigen. Da sieht sogar eine Schmeißfliege ästhetisch aus. Empfehlenswert!

Wandlungskünstler – Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten
Nicole Ottawa/Oliver Meckes: Fotografien
Veronika Straaß/Claus-Peter Lieckfeld: Texte
Dölling & Galitz 2018, 120 Seiten, 80 großformatige Abbildungen
ISBN 978-3-86218-087-5

6 Kommentare

  1. Ein wirklich faszinierendes Buch!

  2. Eine ästhetische Schmeißfliege, na, wenn das mal kein Grund ist, einen Blick ins Buch zu werfen.
    Aber auch der Aufwand, um solche Fotografien überhaupt machen zu können, ist schon faszinierend.

    • Petra Wiemann

      Wie die Bilder entstanden, ist genau beschrieben. Es gibt sogar eine Seite mit den goldbeschichteten Insekten.

  3. Ich bin von dem Buch auch total begeistert und habe es heute auf meinem Blog vorgestellt.

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