Hansjörg Küster: Flora – Die ganze Welt der Pflanzen

Cover Küster Flora

© C. H. Beck

Ohne Pflanzen gäbe es keine Luft zum Atmen, keine Nahrung → kein Leben auf der Erde! Hansjörg Küster, Professor für Pflanzenökologie an der Leibniz Universität Hannover, hebt in seinem Buch Flora – Die ganze Welt der Pflanzen ihre zentrale Bedeutung für unsere Existenz hervor. Der Autor hat bereits mehrere Bücher zur Natur- und Kulturgeschichte verschiedener Landschaftsformen verfasst, zum Beispiel über den Wald, die Alpen oder die Ostsee. In seinem neuen Buch erläutert er die Grundlagen der Botanik.

Pflanzen-Evolution und botanische Basics

Systematisch beschreibt Küster die pflanzliche Entwicklung: von Einzellern über mehrzellige Algen und erste Landpflanzen bis zu komplexen Blumen und Bäumen. Alle Pflanzenteile werden in ihrem Aufbau und ihrer Funktion beschrieben: Wurzeln, Sprosse und Blätter, Blüten und Pollen sowie Samen und Früchte. Auch die verschiedenen Symbiosen mit Pilzen und Tieren werden erläutert.

Ganz nebenbei vermittelt das Buch etliche Fachbegriffe der Botanik, zum Beispiel Kormus (die Grundorgane der Pflanze: Wurzel, Spross und Blatt) oder Zoochorie (Verbreitung der Samen und Früchte durch Tiere).

Als Nahrung für Menschen und Tiere sind Pflanzen unverzichtbar. Küster beschreibt anschaulich, wann und wo Pflanzen domestiziert wurden, wie Kulturlandschaften entstanden und wie die Idee der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft auf andere Bereiche übertragen wurde. Damit es auch in Zukunft genug pflanzliches Leben gibt, empfiehlt der Autor nachhaltige, bedachte Eingriffe in die Ökosysteme der Erde.

Neben den trockenen Erklärungen über die Merkmale der Pflanzen vermittelt das Buch erstaunliche Erkenntnisse. Wusstet ihr zum Beispiel, dass im Schlickwatt der Deutschen Bucht mehr Fotosynthese betrieben wird als im tropischen Regenwald? Oder was die Stratigrafie der Pollenkörner über Klimawandel und Landnutzung verrät? Und wie der Brauch des Weihnachtsbaums entstand? Eine schöne Mischung aus nüchternen Fakten und interessanten Details! Doch es gibt auch einen Wermutstropfen.

Willenlose Pflanzen?

Das Buch beginnt mit einem Zitat von Friedrich Schiller, welches den Gegensatz zwischen der willenlose Pflanze und dem wollenden Menschen betont. Willenlos, passiv: das macht auch für Hansjörg Küster das Wesen der Pflanzen aus. Alle pflanzlichen Vorgänge basieren für den Botaniker auf reiner Chemie und Physik. Andere Denkrichtungen sind ihm offenbar ein Gräuel und werden indirekt immer wieder kritisiert.

Ich bin zwar gegen eine Vermenschlichung der Pflanzen, doch finde ich alternative Interpretationen bedenkenswert und erfrischend. Zum Beispiel was Forschende wie Stefano Mancuso zur Intelligenz und Kommunikation, zur Anpassungsfähigkeit und sinnlichen Wahrnehmung der Pflanzen oder zu den unterirdischen Netzwerken der Bäume herausfanden. Küsters Beharren auf der Willenlosigkeit der Pflanzen ist mir zu eindimensional.

Guter Einstieg in die Botanik

Von diesem Kritikpunkt abgesehen, ist das Buch von Hansjörg Küster durchaus empfehlenswert. Es ist sinnvoll strukturiert und sehr informativ. Die Abbildungen und Fotos sind hilfreich, doch hätten es durchaus einige mehr sein können, um alle Aspekte des Stoffs zu veranschaulichen. Ein gut lesbares und verständliches Einstiegswerk für Studierende und interessierte Laien.

Hansjörg Küster: Flora – Die ganze Welt der Pflanzen
C. H. Beck Verlag 2022, 224 Seiten mit 9 Schwarz-Weiß-Abbildungen und 12 Abbildungen in Farbe
ISBN 978-3-406-78323-4
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2 Kommentare

  1. “Willenlos”? Im Post wird es ja angesprochen und mindestens seit Stefano Marcuso wissen wir, dass es nicht nur Vorgänge der Chemie und Physik sind, nach denen sich Pflanzen verhalten. “Biologische Intelligenz” wie sie Christoph Then im gleichnamigen Buch beschreibt, weicht ebenso von der Sichtweise Küsters ab.

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