Bruno P. Kremer: Schmetterlinge in meinem Garten

Cover Kremer Schmetterlinge

© Haupt

Das Thema Insektenschwund ist seit der Veröffentlichung der Krefelder Studie 2017 in aller Munde. Auch Schmetterlinge sind vom rasanten Insektensterben betroffen. Als Teil eines komplexen Netzwerks sind sie jedoch unverzichtbar, da sie zum Beispiel viele Blütenpflanzen bestäuben. Wer einen Garten oder Balkon hat, kann etwas zum Schutz der heimischen Falter tun. Die Gesamtfläche mitteleuropäischer Gärten ist nämlich dreimal so groß wie die Fläche jener Gebiete, die unter Naturschutz stehen. Eine Anleitung zum falterfreundlichen Gärtnern bietet der reich bebilderte Ratgeber Schmetterlinge in meinem Garten von Bruno P. Kremer. Der Biologe und pensionierte Hochschullehrer hat bereits eine beeindruckende Menge naturkundlicher Sachbücher verfasst, mit denen ich mich gern auch noch befassen würde.

Im einleitenden Kapitel “Falter faszinieren” möchte der Autor Empathie für die Schmetterlinge wecken. Das gelingt ihm mit faszinierenden Details über ihre Entwicklungsstadien, ihre Flugkünste und ihre geschickten, langen Saugrüssel. Hier erfährt man außerdem alles Wesentliche über den Aufbau von Blüten und wo sie ihren Nektar verstecken; über verschiedene Gartenbereiche und den Nutzen für die Insektenwelt. Neben Staudenbeeten und Gehölzen geht Bruno Kremer zum Beispiel auf den Lebensraum Trockenmauer, begrünte Dächer oder auch die unterschätzten Beetränder und Wege ein, die interessante Gestaltungsmöglichkeiten bieten. Eine gewisse Unordnung im Garten, vor allem über den Winter, hält der Autor für angebracht. Vertrocknete Blütensamen und Fruchtstände, an denen vielleicht noch Schmetterlingseier oder -raupen kleben, sollten stehen bleiben. Und um die Schmetterlingspuppen im Erdreich nicht zu gefährden, ist weniger umgraben sinnvoll.

Im zweiten Teil werden 40 Falter porträtiert. Der Autor hat Arten ausgewählt, die in Mitteleuropa häufig sind und während der letzten beiden Jahre in seinem Garten bei Bern auftauchten – unterteilt in Ritterfalter, Weißlinge, Edelfalter, Dickkopffalter, Bläulinge, Schwärmer, Eulenartige, Spanner und Widderchen. Hier erfährt man Interessantes über das Aussehen und die Lebensweise der Falter, die Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Form, verschiedene Stadien der Metamorphose und natürlich, welche Blumen sie bevorzugen! In einem extra Kästchen hat man auf einen Blick die Fakten zur Größe, Flugzeit und den speziellen Bedürfnissen der Raupen. Ein weiteres Kästchen beinhaltet kompakte Informationen zur Falterförderung. Manche schätzen bestimmte Blütenfarben oder Blütenformen; einige sind hochspezialisiert, während andere Arten flexibel bei der Blütenauswahl sind. Besonders wichtig: Raupen und Falter einer Art haben oft unterschiedliche Bedürfnisse! Besonders nützlich beim Identifizieren der Eier, Raupen, Puppen und Falter sind die vielen Fotos! In der Leseprobe könnt ihr euch den Aufbau dieser Seiten anschauen.

Der dritte Teil des Buches enthält 80 Pflanzempfehlungen, darunter Wildblumen wie die Berg-Aster, die sich zum Glück schon selbst in meinem Garten ausgebreitet hat, und die beeindruckende Wilde Karde. Ich habe eine Weile gebraucht, um das Ordnungsprinzip zu verstehen: es sind die kleingedruckten lateinischen Namen, die sich unter der deutschen Bezeichnung finden – unpraktisch für botanische Einsteiger. Am besten lässt man sich hier einfach treiben. Wer etwas Bestimmtes sucht, findet es im Register des Buches. Jedes Pflanzenporträt enthält einen Steckbrief, Infos zur Blütenform, zu ihrem Nektarwert und dem Vorkommen – und natürlich jede Menge Fotos. Den Lavendel und den Echten Dost legt uns Bruno Kremer besonders ans Herz! Mit einigen Lavendel-Pflanzen kann mein Garten schon mal punkten. Die Blüten sind immer umschwärmt von Insekten! Für den Echten Dost möchte ich auch einen Platz finden, denn das Profil verrät: “Nektarwert hoch. Besonders bedeutsam für 62 Falterarten. Der Dost ist somit für Schmetterlinge einer der absoluten Hits unter den Sommerstauden und insofern im Garten kaum verzichtbar.” Bienen und Hummeln schätzen ihn übrigens auch!

Absolut genial sind die Tabellen auf den Innenseiten des Buchumschlags: im vorderen Teil befindet sich ein Blühkalender, in dem alle erwähnten Blumen nach Blütenfarbe und Blühmonaten sortiert sind, natürlich auch mit deutschen Namen und entsprechenden Seitenzahlen. Im hinteren Teil befindet sich ein Flugkalender, an dem man ablesen kann, in welchen Monaten die Falter fliegen. Das finde ich superpraktisch!!!

Zu gern würde ich das Rote Ordensband und den Kleinen Feuerfalter anlocken, und natürlich einige weitere Falter, die ich noch nie gesehen habe, die aber in meiner Region vorkommen. Bei der Auswahl geeigneter, nektarreicher Blumen wird mir das Buch Schmetterlinge in meinem Garten eine große Hilfe sein! Schon das Schmökern darin ist ein absolutes Vergnügen! Dieses wunderbare Buch ist ein schöner und gut durchdachter Beitrag, um dem gravierenden Artenschwund bei den Schmetterlingen entgegenzuwirken.

Bruno P. Kremer: Schmetterlinge in meinem Garten – Falterfreundlich gärtnern mit den richtigen Pflanzen
Haupt Verlag 2018, 208 Seiten mit 350 Farbfotos
ISBN 978-3-258-08054-3
Leseprobe

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