Reinhard Goltz: Plattdeutsch – Vom Klönen und Schnacken

Cover Goltz Plattdeutsch

© Duden

Plattdeutsch – kurz: Platt, das war die Sprache meiner Großeltern. Im niedersächsischen Dorf, in dem ich aufwuchs, hörte ich diesen Dialekt als Kind noch häufig. Aber niemals in der Kleinstadt, wo ich zur Schule ging. Es war für mich immer eine Bauernsprache – dabei war Platt einst die Verkehrssprache der Hanse im Nord- und Ostseeraum.

Das Plattdeutsche bzw. Niederdeutsche ist auch heute noch lebendig. In seinem herrlichen Buch Plattdeutsch – vom Klönen und Schnacken erzählt der Hamburger Autor Dr. Reinhard Goltz von der Sprach- und Kulturgeschichte und den regionalen Varianten. Er ist häufig in plattdeutschen Radiosendungen zu hören, hat unter anderem Asterix- und Harry Potter-Bücher und den Grüffelo ins Niederdeutsche übersetzt und engagiert sich seit Jahrzehnten für den Erhalt dieser Sprache.

Das Haupt-Verbreitungsgebiet liegt in Norddeutschland. Seine Blütezeit erlebte das Plattdeutsche während der Hansezeit von 1250 bis 1600. Heute gibt es immerhin noch einige Millionen Menschen, die Platt gut bis sehr gut sprechen. Reinhard Goltz widmet sich in seinem Buch verschiedenen Begriffen und Redewendungen, erzählt von der Herkunft und Entwicklung des Plattdeutschen und gibt Einblicke in die Abgründe der Grammatik.

Übrigens: Jeder von euch kennt und benutzt plattdeutsche Wörter! Denn viele Vokabeln aus dem Leben der Seeleute und Kaufleute wurden vom Niederdeutschen ins Hochdeutsche übernommen, zum Beispiel Ebbe, Fracht, knabbern, Kran, Laken, schnoddrig, schrubben, spuken, Wrack und viele mehr!

Die Lektüre hat viele Erinnerungen geweckt. So hörte ich früher gern Achim Reichels Album Regenballade. In dessen Liedern fand ich das Plattdeutsche ausnahmsweise richtig cool, zum Beispiel im düsteren »Een Boot is noch Buten« nach einem Gedicht von Arno Holz, oder bei »Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland«, nach dem Gedicht von Theodor Fontane, das auch im Buch gewürdigt wird.

Seit ich aus Niedersachsen in die Pfalz gezogen bin und vom Pälzischen (nur echt ohne f!) umgeben bin, begrüße ich Verwandte am Telefon mit Moin, was mir früher nicht in den Sinn kam. Es ist offenbar ein wichtiger Teil meiner norddeutschen Identität. Zu meinem aktiven Wortschatz gehören zum Beispiel:

  • Klönschnack: gemütliche Plauderrunde
  • Schietwedder: Scheiß Schlechtes Wetter, Regenwetter, ungemütliches, raues Wetter
  • Kinkerlitzchen: Kleinigkeiten
  • Wippsteert: jemand, der nicht stillsitzen kann, Bachstelze
  • Kuddelmuddel: Durcheinander, Chaos, unaufgeräumtes Zimmer
  • füünsch: beleidigt, schlecht gelaunt, echt mies drauf
  • Tüdelkram: nutzloses Zeug, das Freude macht
  • Rumtüdeln: bummeln, trödeln, sich Zeit lassen
  • Dat löppt sich allns torecht: Alles wird gut. Wird schon werden. Das schaffen wir! (sagte mein Vater häufig)

Und ich bin sicher, dass ich weitere Begriffe verwende, ohne mir des plattdeutschen Ursprungs bewusst zu sein 😊. Dieses Buch hilft, diesen Wurzeln nachzuspüren.

Plattdeutsch: das ist herzlich, derb und direkt. Mit feinem Humor erweckt Reinhard Goltz die Sprache zum Leben und zeigt ihren Reichtum und ihre faszinierende Geschichte. Wieder mal ein fabelhaftes Duden-Büchlein für Wort- und Sprachverliebte!

Eine weitere Besprechung findet ihr in Inas Bücherkiste.

Reinhard Goltz: Plattdeutsch – Vom Klönen und Schnacken
Duden Verlag 2022, 128 Seiten mit Illustrationen von Carina Crenshaw
ISBN 978-3-411-75676-6
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3 Kommentare

  1. Deinen interessanten Bericht zum Buch ” Platdeutsch” habe ich gerne gelesen, liebe Petra:) Es freut mich vor allem, dass es noch Menschen gibt die sich für aussterbende Sprachen und Dialekte einsetzen, damit diese nicht mit English ersetzt werden!
    Cari saluti

    • Gibt es nicht Gemeinsamkeiten von norddeutschen Dialekten mit der englischen Sprache?
      Mir fällt da spontan “Tide” ein, welches auch im Englischen “Flut” bedeutet…

      • Stimmt, da gibt es viele Übereinstimmungen! Darüber hätte ich gern mehr erfahren – war aber kein Thema. Im Buch geht es dafür um Einflüsse aus dem Französischen, wie Amüsemang.

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