Shane O’Mara: Das Glück des Gehens

Cover O`Mara Glück des Gehens

© Rowohlt

Gehen macht den Kopf frei. Es ist ein Stresskiller und verbessert die Laune. Gehen regt die Kreativität an. Es nützt unserer Gesundheit. Lauter Vorteile! Hat das Gehen eigentlich auch Nachteile? Nach der Lektüre von Das Glück des Gehens von Shane O’Mara wage ich das zu bezweifeln. Der irische Neurowissenschaftler ist selbst ein begeisterter Spaziergänger, der unbekannte Orte gern zu Fuß erkundet. In seinem Buch untersucht er verschiedene Aspekte des Gehens – einer Tätigkeit, die wegweisend für die menschliche Evolution war.

Denn was uns zu Menschen macht und von anderen Tieren unterscheidet, startete mit dem aufrechten Gang. Unsere Vorfahren konnten die Hände für neue Tätigkeiten einsetzen und entwickelten sich weiter. Damit war der Weg frei aus der afrikanischen Savanne hinaus in alle Regionen der Erde. „Durch Gehen haben wir die Grenzen unserer Welt erkundet und erweitert,“ schreibt O’Mara.

Sein Buch ist eine faszinierende Reise durch die Geschichte des Gehens. Locker und allgemeinverständlich vermischt der Autor Erkenntnisse aus der Hirnforschung, Genetik und Psychologie:

  • Evolution der Fortbewegung: wie Hox-Gene die Bewegung bei Vierfüßern im Wasser und an Land steuerten und wie die Bipedie – die Fähigkeit, sich auf zwei Beinen fortzubewegen – beim Menschen entstand
  • Was passiert beim Gehen im Gehirn? Und wie erforscht man überhaupt ein Gehirn in Bewegung? Faszinierende Vorgänge im Hippocampus und Co.
  • „GPS“ in unserem Gehirn: Wie wir mithilfe der Ortszellen, Kopfrichtungszellen und Gitterzellen mentale Karten unserer Umgebung erstellen
  • Vom Genuss der Fortbewegung in der freien Natur; und im Kontrast dazu:
  • Gehen in der Stadt: wie es uns gelingt, Zusammenstöße in Menschenmengen zu vermeiden und warum Städte fußgängerfreundlicher gestaltet werden müssen
  • Warum wir die Fortbewegung in der Gruppe so schätzen und wie wir unseren Gang in Begleitung synchronisieren.

Das Glück des Gehens ist eine Fundgrube spannender Geschichten über die menschliche Fortbewegung. Natürlich erfahren wir auch, was Bewegungsmangel mit unserem Körper und unserer Persönlichkeit anrichtet. Also gönnen wir uns lieber so viele Gänge wie möglich. Dieses fabelhafte Buch liefert uns die besten Argumente!

Shane O’Mara: Das Glück des Gehens – Was die Wissenschaft darüber weiß und warum es uns so guttut
Aus dem Englischen von Hainer Kober
Rowohlt Verlag 2020, 256 Seiten
ISBN 978-3-498-03579-2
Leseprobe

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2 Kommentare

  1. Ich war ja mal Jogger, so um die 30, bis Gelenkschmerzen einsetzten.
    Ich empfand damals das Setzen des Fusses beim Lauf wie das Baden in Gold.

    • “Wie das Baden in Gold” – schön gesagt! Zum Glück gibt es ja auch Alternativen zum Joggen: wandern, schreiten, flanieren … die sind ebenfalls Gold wert :)

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