Zitat: William E. Glassley über die Arbeit im Gelände

In seinem Buch Eine wildere Zeit berichtet der Geologe William E. Glassley von seinen Forschungsaufenthalten auf Grönland und wie die Arbeit im Gelände einen verändert.

Grönland Südspitze; Foto: Ansgar Walk; CC-BY-2.5

Wenn man sich lange mit einem Gebiet beschäftigt, wird es unweigerlich zum “eigenen” Gebiet. Man verbringt dort viel Zeit und identifiziert sich irgendwann mit diesem faszinierenden Stückchen Erde. Der Platz, den man sich ausgesucht hat, ergreift von einem Besitz: Seine Erdkrümel haften unten den Fingernägeln und verkleben einem die Haare, sein Gestein lässt die Knöchel bluten und hinterlässt Wunden in Herz und Verstand. Irgendwann fließt in jeden Gedanken bewusst oder unbewusst das Wissen ein, das man erwarb, als man durch dieses Gelände streifte.

 

Reflexion über die Stille der Wildnis, die ihn immer wieder beschäftigt:

In der Stille der Wildnis fehlen nicht einfach nur die Geräusche. Es gibt dort auch einen Sturm der Stimmen, den wir nicht hören, weil wir kein Organ dafür besitzen. In der Weite des Raums hallen die nicht ausgeschöpften Möglichkeiten von Lebenden und Toten, Belebtem und Unbelebtem nach: das Echo der Dinosaurier, das Murmeln der Trilobiten, das Flügelrauschen des Pterodactylus.

Mit seinen poetischen Beschreibungen löst William E. Glassley eine Sehnsucht aus nach dieser kargen und doch so reichen Wildnis. Ich genieße jede Zeile! Demnächst werde ich das Buch ausführlich vorstellen.

Die Zitate sind entnommen aus:
William E. Glassley: Eine wildere Zeit – Aufzeichnungen eines Geologen vom Rande des Grönland-Eises
Aus dem Englischen von Christine Ammann
Kunstmann Verlag 2018, 224 Seiten
ISBN 978-3-95614-258-1
Leseprobe

3 Kommentare

  1. Vor allem ersteres Zitat kann ich ganz und gar nachvollziehen und unterschreiben. Ich selbst aber hätte es nie in diese schönen Worte fassen können.

  2. Das hört sich sehr lesenswert an.
    Das Murmeln der Trilobiten würde ich auch gerne hören. Im allgemeinen Erdgesang und Rauschen ist es wohl noch zu hören.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.