Anja Eder: Wildbienenhelfer – Wildbienen & Blühpflanzen

Etwa 560 Wildbienenarten gibt es in Deutschland, weltweit sind es sogar 30.000 Arten. Die meisten von ihnen sind uns kaum bekannt. Mit dem Buch Wildbienenhelfer könnte sich das ändern. Es bringt uns einige heimische Arten näher und informiert über die Blütenpflanzen, die sie benötigen.

Für die Bestäubung von Obstbäumen und Nutzpflanzen sind nicht nur Honigbienen von Bedeutung, sondern auch zahlreiche Wildbienenarten. Durch die Intensivierung der Landwirtschaft, Monokulturen, den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden und die Vernichtung von Blühstreifen ist jedoch die Menge aller Insekten in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. Auch Bienen finden immer weniger Nahrung. Langfristig ist die Bestäubung unserer Nutzpflanzen gefährdet. Doch jeder kann etwas tun. Durch die Auswahl der richtigen Pflanzen in unseren Gärten und auf unseren Balkonen können wir “Inseln der Nahrungsvielfalt” schaffen, die den Bienen einen Lebensraum bieten.

Die Grafik-Designerin Anja Eder engagiert sich schon länger für den Schutz von Wildbienen. 2017 rief sie mit ihren Partnern Michael Römer und Dirk Peters ein Crowdfunding-Projekt ins Leben, mit dessen Hilfe sie das Buch Wildbienenhelfer, an dem sie dreieinhalb Jahre gearbeitet hat, veröffentlichen konnte. Anja Eder verfolgt in diesem wunderschönen und zugleich nützlichen Buch ein ungewöhnliches Konzept, denn sie kombiniert Infos zu den Wildbienenarten mit nützlichen Blühpflanzen. Die vielen detailreichen Bienen- und Pflanzenfotos stammen größtenteils von der Autorin. Für die Hauptflugzeit von Februar bis August zeigt sie Monat für Monat die Wildbienen, die in dieser Zeit auftauchen. Doppelseitige Porträts informieren über typische Merkmale,  Lebensweise und vor allem ihre Blütenvorlieben. Im Anschluss werden jeweils die Pflanzen vorgestellt, die in dieser Zeit zu blühen beginnen, darunter wichtige Frühblüher und Dauerblüher. Mit ein bis vier Sternchen hat die Autorin gekennzeichnet, wieviel Nektar und Pollen sie spenden – mehr Sternchen, größeres Angebot. Das ist sehr praktisch!

Die meisten Wildbienen-Arten wie die Ackerhummel und die Heide-Filzbiene sind nicht wählerisch. Sie fliegen verschiedene Blüten an, sind also polylektisch. Doch einige Wildbienen, zum Beispiel die Zaunrüben-Sandbiene oder die Langhornbiene, sind hochspezialisiert. Sie benötigen den Pollen einer bestimmten Pflanzengattung oder –Familie, man nennt das oligolektisch. Anja Eder gibt eine Übersicht mit Pflanzen, die solchen spezialisierten Arten helfen. So kann man sie gezielt fördern. Außerdem erhalten wir Informationen über die parasitären Kuckucksbienen, die ihre Eier in die Nester anderer Bienen legen, über invasive Pflanzenarten, und über geeignete und ungeeignete Nisthilfen – was man da alles falsch machen kann, ist schon erstaunlich. Viele Produkte aus Baumärkten sind  als Insektenhotels völlig ungeeignet!

In dem Buch Wildbienenhelfer habe ich rechtzeitig zum Beginn der Gartensaison eine Menge Anregungen erhalten und weiß auch schon, nach welchen Pflanzen ich suchen werde. Nun freue ich mich darauf, die Wildbienen besser kennenzulernen. Durch die hinreißenden Makroaufnahmen werde ich sie mit Leichtigkeit identifizieren können! Ob ich wohl die Blutweiderich-Sägebiene mit dem violetten Blutweiderich anlocken kann?

Leider fehlt diesem wunderbaren Buch ein Index der Wildbienen- und Pflanzenarten. Aber die sinnvolle Gliederung tröstet ein wenig darüber hinweg. Denn jeder Monat beginnt mit einer Übersicht der darin erwähnten Bienen- und Pflanzenarten. Es ist ein unbedingt lohnenswertes Buch für alle, die Wildbienen unterstützen möchten, die Anregungen für den Garten oder Balkon suchen oder einfach gern in einem schönen Bildband schmökern!

Anja Eder: Wildbienenhelfer – Wildbienen & Blühpflanzen
Verlag Tipp 4, 248 Seiten, 2017
ISBN 978-3-9439691-9-1 – im Buchhandel und bei Anja Eder erhältlich
Weitere Infos zum Buch mit Leseproben gibt es auf der Website Wildbienen-Garten.de. Ein Euro des Verkaufspreises wird gespendet an das Projekt “Zukunft für Wildbienen & Co” der Deutschen Umwelthilfe.

12 Kommentare

  1. Eine Verbreitung hätte das Buch sicher verdient.
    Der Preis ist etwas happig, finde ich.

    In unserem Garten gibt es einige Blumen, an denen immer Bienen und Hummeln zu finden sind. Nicht weit von uns gibt es Wildwiesen – ich freue mich schon darauf, bald auf Fotopirsch zu gehen. Hatte diese Wiesen erst letztes Jahr entdeckt. Da wimmelt es jedenfalls ganz irre von Insekten, etwas, was man schon glaubte, nicht mehr sehen zu können. Manchmal auf einer großen Blüte bis zu 10 Insekten.

    • Auf die Fotopirsch freue ich mich auch, denn bei mir gibt es auch einige Orte mit interessanten Wildblumen und der entsprechenden Insektenvielfalt. Bei mir im Garten schwebte neulich sogar schon eine Blaue Holzbiene vorbei! Das ist jedes Jahr aufs Neue schön, wenn es endlich losgeht.
      Zum Preis des Buchs kann ich nur sagen, dass er mir angemessen scheint. Dieser Bildband mit exzellenten Farbfotos wurde sicher nur in kleiner Auflage hergestellt. Da bleibt nicht viel Gewinn übrig.

  2. Dieses Buch lese ich zur Zeit mit Begeisterung.
    Und, ja, der fehlende Index für die Wildbienen und Pflanzennamen ist mir auch schon schmerzlich ;-) aufgefallen. Dennoch ist es eine sehr, sehr, sehr empfehlens- und betrachtenswerte Lektüre, die man jedem Bienenfreund nur ausdrücklich ans Herz legen kann.
    Ich habe auch schon einige Bienen wiedererkannt und zuordnen können, dank der anschaulichen Makroaufnahmen. In meinem Garten gibt es viele von diesen winzigen Masken- und Furchenbienen …
    Frühlingsluftige Grüße von mir zu Dir :-)

  3. Kuckucksbienen! Noch nie gehört!

  4. Ich hoffe das es noch recht lange so bleibt . Unsere Politik tut nicht viel dafür, duldet sie es doch, das jährlich 6.000 000 Liter Glyphosat in unsere Umwelt eingebracht wird.

    • Das finde ich auch sehr ärgerlich, wird sicher unter der neuen Regierung nicht besser. Wir können nur versuchen, selbst einen Beitrag zu leisten!

  5. Danke dir Autor Petra Wiemann.

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