Florian Freistetter: Asteroid Now

Cover Freistetter Asteroid

© Hanser

Die Erde ist einem regelmäßigen Bombardement aus dem Weltall ausgesetzt. Schon bei kleinen Himmelskörpern wie dem Meteor, der 2013 über der russischen Stadt Tscheljabinsk  explodierte, können durch die Druckwelle immense Schäden entstehen.

Asteroiden sind sehr viel größer und haben die Erde im Laufe der Zeit immer wieder getroffen, mit verheerenden Auswirkungen wie dem Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren. Für den Fall einer Kollision gibt es heute noch keine geeigneten Abwehrmaßnahmen, aber es existieren bereits viele theoretische Überlegungen.

Der Astronom und Wissenschaftsautor Florian Freistetter erklärt in seinem Buch Asteroid Now, welche Präventionsmaßnahmen von der ESA und anderen Weltraumorganisationen erprobt und geplant werden, um bedrohliche Asteroiden rechtzeitig zu erkennen und was man tun kann, um sie von ihrer Bahn abzulenken.

Aber auch andere Faktoren beeinflussen und gefährden das Leben auf der Erde. Der Autor beschreibt sehr spannend geologische Prozesse wie Plattentektonik und Vulkanismus sowie die Klimaschwankungen, die durch zyklische Veränderungen der Planetenbahnen ausgelöst werden. Freistetters Hauptinteresse gilt aber den Asteroiden.

Asteroiden stellen zweifellos eine Gefahrenquelle dar, aber sie bieten auch Chancen, nämlich ein gewaltiges Reservoir an Rohstoffen. Schon die Inuit haben das Eisen aus Meteoriten genutzt, um daraus Werkzeuge herzustellen. Man kann aber auch direkt an die Quelle gehen! Florian Freistetter malt uns das Bild eines zukünftigen Bergbaus auf Asteroiden aus. Zunächst muss allerdings die Zusammensetzung solcher Himmelskörper besser erforscht werden. Die Rohstoffe könnten sich auch eignen, um zukünftige Raumfahrtmissionen preiswerter und einfacher zu machen, da nicht alles von der Erde ins All transportiert werden müsste.

Der Autor legt überzeugend dar, wie wichtig es für das Überleben der Menschheit ist, stärker in die Raumfahrt zu investieren. Denn viele Probleme lassen sich nicht von der Erde aus lösen, weder die Erforschung anderer Planeten oder  bedrohlicher Asteroiden noch die Suche nach alternativen Siedlungsräumen für die Menschheit.

Eines der wichtigsten Hilfsmittel für die Zukunft der Raumfahrt ist laut Freistetter der Weltraumlift! Theoretisch ist fast alles klar. Bevor wir diese Technologie nutzen können, müssen nur noch einige Probleme gelöst werden. Die werden in diesem Buch ausführlich beschrieben. So ist zum Beispiel das richtige Material für die erforderlichen Kabel noch in der Erforschung. Danach sind uns offenbar keine Grenzen mehr gesetzt:

Der Weltraum stünde allen Menschen offen. Wir könnten all die Visionen umsetzen, die wir bis jetzt nur aus der Science-Fiction kennen. Wir könnten wirklich große Raumstationen bauen, Material von den Asteroiden in rauen Mengen zur Erdoberfläche schaffen, mit Raumschiffen zu anderen Planeten fliegen, Solarkraftwerke im All bauen und damit unseren Energiebedarf decken, große Sternwarten im All oder auf dem Mond errichten, völlig neue wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen und Dinge tun, von denen wir uns heute noch nicht einmal vorstellen können, dass sie überhaupt möglich sind.

Weltraumlift (Bild: NASA, gemeinfrei)

Nichts geht ohne Weltraumlift (Bild: NASA, gemeinfrei)

Aber die fantastischen Visionen gehen noch weiter. In einigen Milliarden Jahren wird sich die Sonne zu einem Roten Riesen entwickeln und die Erde wird unbewohnbar. Daher sollten wir rechtzeitig Generationenraumschiffe bauen, um Exoplaneten außerhalb unseres Sonnensystems zu erreichen. Wir könnten auch die Erde von der Sonne wegschieben oder gleich das gesamte Sonnensystem mithilfe von Asteroiden umgestalten.  Es ist schwindelerregend, welche Szenarien die Forschung sich ausmalt. Für meinen Geschmack war das allerdings zu spekulativ und zu knapp angerissen. Stoff genug für Science-Fiction-Romane!

Zur Zeit stehen die Kosten und die gewaltigen kosmischen Distanzen der Raumfahrt im Weg. Viele der beschriebenen Projekte erfordern darüber hinaus sehr viel Zeit, oft über mehrere Generationen hinweg oder gar über Jahrhunderte. Sie lassen sich auch nicht im Alleingang realisieren, sondern nur in großen Kooperationen. Der Autor bezweifelt, dass sich die Menschen zu einer derart gewaltigen Aufgabe zusammenraufen werden. Die Alternative wäre allerdings der Untergang des Lebens auf der Erde. Vielleicht sollten wir uns Florian Freistetters Appell zu Herzen nehmen: die Zukunft der Menschheit liegt in den Sternen. Da müssen wir hin!

Florian Freistetter: Asteroid Now – Warum die Zukunft der Menschheit in den Sternen liegt
Hanser Verlag 2015, 230 Seiten
ISBN 978-3-446-44309-9

Erhältlich bei der Buchhandlung des Vertrauens

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8 Kommentare

  1. Liebe Petra,
    ein seltsames Phänomen derzeit bei Deinem Blog: Wenn ich meine Zustimmung per Like abgeben will, dann taucht bei mir jedesmal das In-Linked-Fenster auf. Gut, kommentieren ist ja eh besser als nur Sternchen setzen…aber manchmal bin ich auch so schreibfaul. Aber gar nichts zu machen, weil die Technik nicht so will, fände ich nun auch schade. Vielleicht kommst Du drauf, woran das liegt mit diesem In-Linked-Fenster – das ist ja nicht so kompliziert, teuer und zeitaufwendig wie die Raumfahrt :-)

  2. Projekte, die über eine Wahlperiode hinaus bedacht und betrieben werden müssen, haben wohl kaum ein Chance, Zuspruch zu bekommen. In dieser, in jeder Hinsicht, schnelllebigen Zeit, hat wohl keiner mehr die Muße, über unsere Zukunft nachzudenken (ja, schon die eigene Rente wird gedanklich immer weit hinter dem neuesten i-Phone stehen).

    Darum finde ich Menschen wichtig, die in schönster “Spinner”-Manier, auch mal Visionen haben und natürlich Autoren, die uns diese Gedanken näherbringen!

    Wenn diese Botschaften dann auch noch so verständlich dargelegt werden, wie es Herr Freistetter immer wieder schafft, dann bin ich einfach nur begeistert.

  3. Ich liebe Freistetter – er ist einer der wenigen nichtamerikanischen Wissenschafts-Autoren, die es schaffen, ihre Materie (:-) so zu formen, dass auch Hobbychoasforscherinnen wie ich sie verstehen. Habe zuletzt DER ASTRONOMIEVERFÜHRER gelesen und natürlich auch seinen Blog. LG Peggi http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2015/02/18/best-of-chaos-feigenbaums-universalitaet/

    • Da kann ich dir nur zustimmen! Es gibt nur wenige, die Wissenschaft so locker und interessant vermitteln können wie Florian Freistetter. Ohne die tägliche Ration Astrodicticum Simplex wäre der Alltag doch recht grau ;-)

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