Florian Freistetter: Hawking in der Nussschale

Cover Freistetter Hawking Nussschale

© Hanser

Stephen Hawking, der im März 2018 verstorbene britische Physiker, hat viele Menschen für die Wissenschaft begeistert. Darunter auch den Sachbuchautor Florian Freistetter, den er mit seinem populärwissenschaftlichen Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit zum Studium der Astronomie motivierte. Freistetter stellt in seinem kürzlich erschienenen Buch Hawking in der Nussschale – Der Kosmos des großen Physikers auf knapp hundert Seiten die wichtigsten Theorien und Erkenntnisse Hawkings vor.

Es geht um den Ursprung des Universums und um Gravitationswellen, um Schwarze Löcher und ihre Hawking-Strahlung, um Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie – harter Stoff, der in lockerer Weise präsentiert wird. Florian Freistetter geht chronologisch vor. So wird klar, wie sich Hawkings Theorien durch neue Erkenntnisse weiterentwickelten. Das Wissen der Vordenker Isaac Newton und Albert Einstein fließt ebenso ein wie die Forschung von Zeitgenossen. Einige von Hawkings Ideen sind allerdings auch für den promovierten Astronom Freistetter nicht bis ins letzte Detail nachvollziehbar, was für physikalisch unbegabte Leserinnen wie mich sehr tröstlich ist.

Wichtige Denkanstöße lieferte Hawking zum Informationsparadoxon. Um das zu vermitteln, lockt Florian Freistetter mich als Leseratte mit folgender Frage: Was passiert, wenn man ein Buch in ein Schwarzes Loch wirft? Ich kann es mir kaum vorstellen, aber hinter dem Ereignishorizont existiert es weiter! Doch in welcher Form und was passiert mit den Informationen? Gehen sie unwiederbringlich verloren oder lassen sie sich rekonstruieren? Eine Frage, die noch nicht endgültig geklärt ist.

So wie in der Mathematik mit imaginären Zahlen gerechnet wird, nutzte Hawking, zusammen mit James Hartle, das Konzept der imaginären Zeit, um zu erklären, wie unser Universum begann und was vor dem Urknall war. Aus der vierdimensionalen Raumzeit Einsteins wurde die euklidische Raumzeit. Darin hat das Universum keine Grenzen und keinen Anfang (Keine-Grenzen-Hypothese). Und damit gibt es auch keine Zeit vor dem Urknall! Das war spannend und supergut erläutert, wie so vieles andere in diesem knuffigen Büchlein!

Inzwischen ist aus dem von Stephen Hawking inspirierten Astronomen Florian Freistetter ein Wissenschaftskommunikator geworden, der auf seine Art ein großes Publikum erreicht: im Blog Astrodicticum Simplex, als Mitglied des Wissenschaftskabaretts Science Busters und natürlich als Sachbuchautor. Einige seiner Bücher habe ich bereits hier vorgestellt, darunter Die Neuentdeckung des Himmels und Asteroid Now.

Sein neues Buch Hawking in der Nussschale ist ein zwar kompakter, aber durchaus anspruchsvoller Überblick. Man sollte es nicht in einem Rutsch lesen, sondern am besten Kapitel für Kapitel. Freistetter würdigt Stephen Hawking als genialen Wissenschaftler, der es vermochte, die Öffentlichkeit für seine komplizierte Forschung und die Astrophysik generell zu begeistern. Am Ende des Buches gibt er weiterführende Buchtipps von und über Stephen Hawking. Das weiß ich schon aus seinen früheren Büchern zu schätzen. Wieder einiges dazu gelernt – die Lektüre hat sich gelohnt!

Florian Freistetter: Hawking in der Nussschale – Der Kosmos des großen Physikers
Hanser Verlag 2018, 120 Seiten
ISBN 978-3-446-26245-4
Leseprobe

5 Kommentare

  1. Pingback:Vorfreuden für Leseratten III Herbst 2018 – Elementares Lesen

  2. Knuffiges Büchlein? Wenn Freistetter so weiter macht, dann braucht er hier bei mir auch bald sein ganz eigenes Regal… aber ich bin ein Fan und muss natürlich alles sammeln.

  3. Ich habe den ambitionierten Plan, im November “A Brief History of Time” zu lesen. Ich weiß ja dann schon, wo ich mir notfalls alles noch mal erklären lassen kann ;-)

    • Das gibt es auch in einer illustrierten Ausgabe – könnte ganz hilfreich sein :-) Die normale Ausgabe habe ich mit Anfang 20 gelesen und damals nur wenig verstanden. Es wäre mal an der ZEIT für eine erneute Lektüre mit viel Background-Wissen!

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