Yuval Noah Harari: Sapiens – Der Aufstieg

Cover Harari Sapiens

© C. H. Beck

Der Welt-Bestseller Eine kurze Geschichte der Menschheit von Yuval Noah Harari zählt zu meinen liebsten Geschichtsbüchern. Aus diesem Stoff hat der israelische Historiker zusammen mit den Comiczeichnern Daniel Casanave und David Vandermeulen eine Graphic Novel fabriziert. Der Autor wurde zur Comic-Figur, die uns locker in die Erkenntnisse der Wissenschaft einführt. Im ersten von vier Bänden, Sapiens – Der Aufstieg, geht es um unsere Frühgeschichte: die menschliche Evolution, die Besiedlung fremder Kontinente und das von Menschen verursachte Aussterben vieler Tierarten.

Was steckt hinter der Kognitiven Revolution vor 70.000 Jahren? Warum verließen unsere Vorfahren die Savanne? Welche Fähigkeiten unterschieden sie von anderen Menschenarten? Wie wurde der Mensch zur dominanten Lebensform auf der Erde? Und was wissen wir heute über das Leben der Jäger und Sammler? Das sind die Themen des Bandes.

In der Graphic Novel erklärt Harari seiner Nichte Zoe, was über die Geschichte des Homo sapiens bekannt ist. Einiges weiß Zoe schon aus ihrem Comic Prehistorik Bill, der hier natürlich auch abgedruckt ist. Daher stellt sie ihrem Onkel kluge Fragen, die die Handlung voranbringen. Gemeinsam besuchen sie Expertinnen und Experten für Evolutionsbiologie, Anthropologie, Archäologie und Kommunikation, die weitere Puzzlestücke zur menschlichen Geschichte beisteuern.

Als wichtige Faktoren in unserer Entwicklung schälen sich zum Beispiel das Kochen, Klatsch und Tratsch sowie die Fähigkeit zur Kooperation heraus. Es gelang den Menschen, sich an verschiedene Klimazonen und Umweltbedingungen anzupassen und andere Menschenarten zu verdrängen. Viele Aspekte sind verpackt in Diskussionen, Vorträge, Filme und TV-Shows. Und wir reisen mit Harari durch Raum und Zeit, zum Beispiel zu den Neandertalern oder zu den Aché, einem Volk, das in den 1960er Jahren noch im Dschungel von Panama lebte. Ihre Lebensweise verrät uns etwas über die Epoche der Jäger und Sammler.

Zum Schluss ermittelt eine New Yorker Polizistin gegen unsere Spezies: wegen »Zerstörung des globalen Ökosystems [und] Massenmord an Hunderten von Menschen- und Tierarten«. Detective Lopez trägt eine Fülle von Indizien über unsere rücksichtslose Lebensweise zusammen, die zum Aussterben der australischen und amerikanischen Megafauna führte. Es kommt zu einer Gerichtsverhandlung, bei der Homo sapiens als »tödlichste Spezies in der Geschichte der Biologie« entlarvt wird. Und dabei ist die Menschheit im ersten Band dieser 4-teiligen Graphic Novel noch nicht einmal sesshaft! In den nächsten Bänden wird es also noch heftiger!

Mit bissiger Ironie und funkelnden Einfällen wird der komplexe Stoff in eine kurzweilige Bildergeschichte verwandelt. Mich hat das Konzept überzeugt. Mir gefielen der Zeichenstil, die unterschiedlichen Farbwelten und die vielen Details, die man erst bei mehrmaligem Blättern entdeckt. Ich hatte den Eindruck, dass Harari auch neueste Forschungsergebnisse einbezogen hat, die in seiner Kurzen Geschichte der Menschheit noch nicht erwähnt wurden. Diese Graphic Novel spricht sicher auch Menschen an, die sich nicht in dicke Geschichtswälzer vertiefen wollen, denn die kompliziertesten Dinge werden unterhaltsam und absolut verständlich präsentiert. Auf der Website des C. H. Beck Verlags gibt es dazu Einblicke ins Buch. Nun bin ich gespannt, wie es im 2. Teil – Sapiens – Die Falle – weitergeht!

Weitere Buchvorstellungen in den Blogs Feiner reiner Buchstoff, Esthers Bücher und Monerls Bunte Welt.

Nominiert als Wissensbuch des Jahres 2020/21 in der Kategorie ÜBERBLICK.

 

Yuval Noah Harari: Sapiens – Der Aufstieg
illustriert von Daniel Casanave und David Vandermeulen
Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn
Originaltitel: Sapiens – The Birth of Humankind
C. H. Beck Verlag 2020, 248 Seiten
ISBN 978-3-406-75893-5
Leseprobe und Sapiens Special

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