Rob Dunn: Nie allein zu Haus

© Springer

Fliegen, Schaben, Spinnen und Myriaden von Mikroorganismen – auch der sauberste Haushalt ist nicht frei von kleinen Mitbewohnern, darunter wenige Schädlinge und Parasiten sowie eine Menge nützliche Lebewesen. Was tummelt sich da in unseren Heimen? Wie hat sich die Zusammensetzung dieser Wohngemeinschaft im Laufe der Geschichte verändert? Und was richtet zu viel Hygiene mit unserem Immunsystem an? Rob Dunn ist Professor in der Abteilung für angewandte Ökologie an der North Carolina State University und im Naturhistorischen Museum von Dänemark an der Universität Kopenhagen. In seinem Buch Nie allein zu Haus beschreibt er, was er bei seinen Forschungen über das verborgene Leben in unseren Behausungen herausgefunden hat. Ein tolles Buch, das zu meinen Highlights des letzten Jahres zählt!

Rob Dunn hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Ökosystem unserer Häuser und Wohnungen gründlich zu durchleuchten. Er forschte unter anderem in Alaska, Florida, North Carolina und Dänemark. Außerdem beschäftigte er sich mit der Mikrobengemeinschaft auf der Internationalen Raumstation ISS. Bei seiner Forschung wurde er von vielen freiwilligen Helfern unterstützt, die ihm im Rahmen von Citizen Science-Projekten Proben aus ihren Behausungen schickten: z.B. aus Backöfen und Kühlschränken, aus Abflüssen und Kleiderschränken, aus Wasserrohren und Bauchnabeln.

Bisher sind etwa 200.000 Arten identifiziert, doch es gibt deutlich mehr. Dunn fand unterschiedliche Mikrobengruppen wie Umwelt,- Boden- und Körperbakterien, hochspezialisierte technophile und extremophile Bakterien, eine unglaubliche Vielfalt an Gliederfüßern und etwa 40.000 Pilzarten. Vom Biofilm in Duschköpfen bis zu Höhlenschrecken im Keller: überall wimmelt es von Leben. Das meiste tragen wir selbst hinein, zum Beispiel an unserem Körper oder mit den Dingen, die wir kaufen. Manche der gefährlichsten Arten kommen durch Hund und Katze ins Haus, von Einzellern wie Toxoplasma gondii bis zu Bandwürmern. Wer Haustiere hat, wird dieses Kapitel besonders spannend finden.

Für Rob Dunn hat jede Art ihre Berechtigung. So weckt er Bewunderung für die ungeliebten Spinnen, da sie viele Schädlinge vertilgen. Unsere jetzige Lebensweise begünstigt nämlich die Schädlinge, zum Beispiel Stubenfliegen und Küchenschaben. Durch chemische Schädlingsbekämpfung treiben wir sogar die Evolution von Parasiten an. Wir sollten auf übertriebene Hygiene verzichten, mehr Wildnis ins Haus lassen oder während der Mittagspause im Gartenboden wühlen, meint er. So könnten wir die Artenvielfalt drinnen wieder erhöhen und zugleich unserer Gesundheit etwas Gutes tun. Wer diese Zusammenhänge begreift, wird vielleicht etwas toleranter gegen Schmutz und Krabbeltierchen.

Voller Staunen und detailverliebt führt uns der Biologe in diese bisher kaum erforschte Welt. Er berichtet von den Anfängen der Mikrobiologie und von Menschen, die mit gelungenen Experimenten oder der richtigen Idee erstaunliche Erkenntnisse gewannen, und natürlich macht er uns vertraut mit den faszinierenden Projekten, an denen er selbst beteiligt war. Das Buch ist ein echter Augenöffner!

Rob Dunn: Nie allein zu Haus – Von Mikroben über Tausendfüßer und Höhlenschrecken bis zu Honigbienen – die Naturgeschichte unserer Häuser
Aus dem Englischen von Kathrin Katic
Originaltitel: Never Home Alone
Springer 2021, 290 Seiten mit 28 schwarz-weiß Abbildungen
ISBN 978-3-662-61585-0

Beitrag empfehlen

5 Kommentare

  1. Pingback:Wissensbuch des Jahres 2020/21 – Die Nominierungen | Elementares Lesen

  2. Ein Buch über die Welt, die wir häufig nicht sehen wollen – oder auch bezogen auf die einzelnen Individuen nicht sehen können.

  3. Spinnmilben meine ich auf dem Umschlag zu erkennen :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.