Jens Soentgen: Wie man mit dem Feuer philosophiert

Eine feurige Geschichte der Chemie

Cover Soentgen Feuer

© Peter Hammer Verlag

Das Spiel mit dem Feuer hat die Menschen schon immer fasziniert. Feuer spendet nicht nur Wärme, sondern es kann auch Stoffe in etwas neues verwandeln. Die Menschen lernten  verwertbare Nahrung, Gifte, Medizin oder Waffen mithilfe des Feuers herzustellen.
In seinem Buch Wie man mit dem Feuer philosophiert  erzählt der Chemiker und Philosoph Jens Soentgen von den feurigen Ursprüngen der Chemie in den Wäldern, von der Experimentierfreude der mittelalterlichen Alchemisten und von der Perfektionierung zur Laborchemie. Dabei bewegt er sich “von Feuerstelle zu Feuerstelle” durch die verschiedenen Zeiten und Kontinente.

Waldchemie

Heute werden viele Substanzen synthetisch hergestellt, zum Beispiel Gummi oder Kampfer. In diesem Buch erfahren wir, woraus sie ursprünglich bestanden und wie sie früher hergestellt wurden. Viele Stoffe entdeckten die Menschen durch die Beobachtung der Natur. Vor allem der Regenwald Mittelamerikas wird als Ort beschrieben, an dem die Verwandlung von Stoffen begann. Die Menschen lernten von den Tieren des Waldes, welche Substanzen giftig und welche genießbar waren. Heiler und Schamanen waren die ersten Chemiker. Soentgen erzählt Anekdoten über Froschmedizin im brasilianischen Regenwald, von Wespen bei der Papierherstellung, von der heilenden Kraft des Lebensbaums und den brodelnden Kupferkesseln der Kelten und Germanen, die die Seife erfanden.

Alchemie

Den nächsten Schritt taten die Alchemisten. Sie versuchten in Experimenten ganz neue Substanzen zu kreieren. Der Stein der Weisen und die Erschaffung von Gold bleiben ein ewiger Traum. Doch gewitzten Alchemisten gelang es immerhin, die Verwandlung von Metall in Gold vorzutäuschen. Dabei wurde das Rezept zur Herstellung von Porzellan entdeckt und die Abhängigkeit von chinesischen Exporten hatte ein Ende. Besondere Bedeutung hatte damals der Salpeter, mit dem man Schwarzpulver und Dünger herstellte. Er galt sogar als lebendig und wurde wegen seiner widersprüchlichen Eigenschaften auch Kalter Drache genannt.

Laborchemie

Mit dem Zeitalter der Aufklärung im 18. Jahrhundert entwickelte sich aus der Alchemie eine ernsthafte Wissenschaft. Viele Elemente konnten erstmals isoliert werden, neue Verfahren wurden entwickelt und neue Substanzen erschaffen. Forscher wie Jean Paul Marat (der Agitator der Französischen Revolution!) und Antoine Lavoisier stritten über das Wesen des Feuers. Vor allem der Sauerstoff als “kopernikanische Substanz der modernen Chemie … markiert die Epochenwende und den Übergang zur Moderne.” Dmitri Mendelejew entwickelte das Periodensystem der Elemente und Marie Curie entdeckte die Radioaktivität. Eine Zeit der großen Erkenntnisse!
Aus diesen Ursprüngen ist eine hochspezialisierte Wissenschaft hervorgegangen, die auch andere Disziplinen wie die Physik und die Medizin beflügelte.

Experimente

80 Experimente und Gedankenspiele runden das Buch ab. Soentgen lädt seine Leser ein, selbst Stoffe wie Alkohol, Schmerzmittel oder Seife herzustellen. Die meisten Versuche sind mit relativ leicht zugänglichen Mitteln und fast ohne Chemikalien durchführbar. So lernt man die Eigenschaften der Stoffe besser verstehen und ist dank Soentgens Erläuterungen auf alles gefasst:
Was macht man damit? Was passiert beim Experiment? Wie schmeckt das, wie fühlt es sich an? Ist es gefährlich? Wer hat`s erfunden?

Kurzum

Eine unterhaltsame Wissenschaftsgeschichte der Chemie mit  spannenden Informationen und lebendigen Porträts von Forschern und Entdeckern. Jens Soentgen besitzt einen trockenen Humor und schreibt leicht verständlich, so dass sein Buch auch für junge Leser ab 14 Jahren geeignet ist. Abgerundet wird das Buch durch diabolisch-verschmitzte Illustrationen von Vitali Konstantinov.

Nachtrag: Wissensbuch des Jahres 2016 in der Kategorie Perspektive

Jens Soentgen: Wie man mit dem Feuer philosophiert – Chemie und Alchemie für Furchtlose
Illustriert von Vitali Konstantinov
Ab 14 Jahren
Peter Hammer Verlag 2015, 464 Seiten
ISBN 978-3-7795-0526-6
Leseprobe

7 Kommentare

  1. Das Buch interessiert mich! Wie “jung” dürfen die Leser denn sein?

    • Ab 14 Jahren, nach oben gibt es natürlich keine Grenze. Wenn es dich nicht stört, im letzten Drittel des Buches (Experimente) geduzt zu werden, dann bist du jung genug :)

  2. Ne, stört mich nicht, hihi…. bin wahrscheinlich zu alt. Auf jeden Fall zu alt, um zu merken, dass die Frage blöd gestellt war. Ich habe natürlich im Interesse meines Sohnes gefragt. :-)

    • Zu alt ist niemand für dieses Buch! Deine Frage war jedenfalls berechtigt, weil ich die Altersangabe vergessen hatte – ist jetzt korrigiert.

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