Wissensbuch des Jahres 2019 – Die Gewinner

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© bild der wissenschaft

Endlich stehen sie fest: die Wissensbücher des Jahres 2019, ausgezeichnet vom Magazin bild der wissenschaft! In diesem Jahr waren 61 Bücher in den sechs Kategorien Überraschung, Ästhetik, Überblick, Zündstoff, Unterhaltung und Perspektive nominiert. Die Besten wurden von der elfköpfigen Jury gemeinsam mit dem Publikum ausgewählt. Als Jurymitglied war das für mich wieder eine Zeit voller spannender Lektüren! Jetzt freue ich mich, über das Ergebnis zu berichten. In diesem Jahr gab es sogar drei Übereinstimmungen bei den Favoriten der Jury und des Publikums!

Hier in meinem Blog gebe ich wieder eine knappe Übersicht über die Gewinner. Auf der Website wissenschaft.de und im Dezemberheft von bild der wissenschaft findet ihr die ausführlichen Rezensionen zu den Wissensbüchern des Jahres, außerdem weitere Platzierungen und natürlich die Gewinner von Lesestoff.

Welche Bücher haben die Auszeichnung zum Wissensbuch des Jahres 2019 gewonnen?

Wissensbuch des Jahres 2019 – Die Gewinner

 

Cover Wulf Abenteuer Alexander von Humboldt

© C. Bertelsmann

ÄSTHETIK: Jury und Publikum sind sich einig: Das schönste Wissensbuch des Jahres ist Die Abenteuer des Alexander von Humboldt, eine Graphic Novel von der Humboldt-Expertin und Bestseller-Autorin Andrea Wulf, die ideenreich von der New Yorker Künstlerin Lillian Melcher illustriert wurde. Von 1799 bis 1804 befand sich der preußische Universalgelehrte Alexander von Humboldt auf einer Expedition durch die Länder Südamerikas. In diesem fantastischen Buch kann man die Reise aus erster Hand miterleben, denn Humboldt berichtet persönlich! Wir begleiten ihn auf der rasanten Fahrt mit seinem Begleiter Aimé Bonpland über die Stromschnellen des Orinoco, bei der gefährlichen Besteigung des Chimborazo und bei all seinen faszinierenden botanischen und astronomischen Entdeckungen. Wir erleben seinen unermüdlichen Forscherdrang, die Sammel- und Experimentierfreude und sein Interesse an den indigenen Völkern Südamerikas. Als Vordenker begriff er viele ökologische Zusammenhänge. Diese originelle Reisebeschreibung basiert auf Humboldts Südamerika-Tagebüchern, seinen Zeichnungen, Briefen und Werken, die hier in einem herrlichen Stilmix kombiniert werden. Man bekommt ein Gespür für dessen hellwachen Geist und seine geradezu besessene Suche nach Erkenntnissen. Es ist der ideale Einstieg in Humboldts Welt!
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Cover Schulz So sterben wir

© Piper

ÜBERBLICK: In ungewöhnlich direkter Ansprache konfrontiert der Journalist Roland Schulz in seinem Buch So sterben wir mit verschiedenen Aspekten des Todes: “Dein Sterben ist ein Prozess voller Dynamik, so einzigartig wie dein Leben. Jeder Mensch erlebt diesen Prozess auf seine eigene, einmalige Weise”, schreibt Schulz. Wie erleben Sterbende ihre letzten Wochen nach einer tödlichen Diagnose? Was geht im Körper vor und welche Gefühle belasten die Menschen in dieser Phase? Wie erleben Sterbende den Umgang von Freunden, Angehörigen und Pflegenden mit dieser Situation? Was tut ihnen gut und was verletzt sie? Wenn der Tod eingetreten ist, was passiert dann ganz konkret mit dem Körper? Welche Zwänge bestimmen den Umgang von Institutionen mit Verstorbenen? Und wie sieht die Zeit der Trauer bei den Hinterbliebenen aus? Ein Buch, das gründlich aufklärt und einem nahe geht!

Beim Publikum kam das Buch Unsere 7 Sinne – Die Schlüssel zur Psyche von Rüdiger Braun am besten an. Es beschreibt das Zusammenspiel von Gehirn, sinnlichen Wahrnehmungen und Gefühlen. Der Wissenschaftsjournalisten erklärt, wie wir das Potential unserer Sinne, zu denen er auch den Gleichgewichtssinn und unsere Intuition zählt, besser nutzen können.

 

Cover Powers Wurzeln des Lebens

© S. Fischer

UNTERHALTUNG: Neun Menschen stehen im Mittelpunkt des monumentalen Romans Die Wurzeln des Lebens. Der amerikanische Schriftsteller Richard Powers verflicht die Geschichte und Identität seiner Protagonisten auf ganz unterschiedliche Weise mit Bäumen, darunter eine Kastanie, ein Maulbeerbaum, ein Ahorn, eine Birke und Mammutbäume. Bäume, die Schutz bieten; Bäume, die tief in Familiengeschichten hinein wurzeln; Bäume, die in Gefahr sind. In die spannende Geschichte fließen aktuelle Erkenntnisse aus der Dendrologie, der Erforschung der Bäume, ein. Man erfährt, wie Bäume miteinander kommunizieren und welche Verteidigungsstrategien sie nutzen. Powers thematisiert in teils pathetischer, mitreißender Weise den Raubbau an den Wäldern und die Zerstörungen durch die Holzindustrie. Er zeigt, wie sich Naturschützer vor Verzweiflung zunehmend radikalisieren. Man fühlt sich erinnert an die Vorgänge des letzten Jahres im Hambacher Forst.  Eine packende, höchst aktuelle Geschichte!

Dem Publikum gefiel das Buch Komisch, alles chemisch! von Mai Thi Nguyen-Kim am besten. Die preisgekrönte Wissenschaftsjournalistin begeistert uns für die Chemie des Alltags mit witzigen Beispielen.
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Cover Harari 21 Lektionen

© C. H. Beck

ZÜNDSTOFF: Nach seinen Bestsellern Eine kurze Geschichte der Menschheit und Homo Deus, das 2017 in derselben Kategorie als Wissensbuch des Jahres ausgezeichnet wurde, gewinnt der israelische Historiker Yuval Noah Harari nun mit seinem aktuellen Buch 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert. Es ist eine scharfsinnige Analyse der Probleme unserer Gegenwart. Wie können wir den verschiedenen Herausforderungen unserer Zeit begegnen? Wie können wir uns auf die Veränderungen der Arbeitswelt durch neue Technologien einstellen? Was tun angesichts der ökologischen Herausforderungen? Woher kommen die Ängste vor Überfremdung durch Migration? Welche Auswirkungen hat der Aufstieg von Populisten für die Demokratien? Wie gehen wir verantwortungsvoll mit unseren Daten um? Welche Gefahren gehen von Fake News und Propaganda aus? Wo bleiben Moral und Gerechtigkeit? Harari hat die Auswirkungen globaler Entwicklungen für unser persönliches Leben im Blick und zeigt, wie wir darauf reagieren können. Es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken und auf Besserung zu warten. Ein starkes Buch, das die Jury und das Publikum gleichermaßen überzeugte.

 

Cover Schilthuizen Darwin Stadt

© dtv

ÜBERRASCHUNG: Während immer mehr natürliche Lebensräume zerstört werden, entwickeln sich Städte zum Rückzugsort vieler Tiere und Pflanzen. In seinem spannenden Buch Darwin in der Stadt ist der Evolutionsbiologe Menno Schilthuizen den Überlebenstricks dieser Arten auf der Spur. Die Artenvielfalt in den Städten ist inzwischen sogar größer als auf dem Land, stellt er fest. Und die Mechanismen der Evolution wirken dort besonders schnell, denn dort lebende Arten sind zu einer beschleunigten Anpassung gezwungen! Schilthuizen hat Städte wie London, Rotterdam, Singapur und Paris bereist und zeigt, welche besonderen ökologischen Nischen sich dort entwickelten und was diese Städte so anziehend macht im Vergleich zu anderen Lebenswelten. Er ist ein lebendiger, amüsanter Erzähler, der einen ungewohnten Blick auf die Anpassungsfähigkeit vieler Lebewesen wirft und uns mit einer Vielzahl von Beispielen verblüfft.
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Favorit des Publikums ist das Buch Leonardos Erbe von Matthias Eckoldt – ein lesenswertes Werk über Leonardo da Vinci, den rastlosen Denker und Erfinder, der viele Dinge begonnen und nur wenige beendet hat. Unkonventionell, komplex denkend, doch war er auch ein Genie? Das bezweifelt der Autor.

 

Cover Brensing Tiere denken fühlen

© Loewe

PERSPEKTIVE: das beste Sachbuch für junge Wissbegierige stammt vom Verhaltensbiologen und Sachbuchautor Karsten Brensing. Tricksen, um die Ecke denken, für die Zukunft planen, mitfühlen und trauern – all das können nicht nur Menschen. Viele Tierarten sind gar nicht so anders als wir, erklärt der Autor in seinem tollen Kinder-Sachbuch Wie Tiere denken und fühlen. Viele Tiere besitzen eine eigene Persönlichkeit, handeln ähnlich sozial wie wir und sind auf ihre Art intelligent. Brensing zeigt das breite Spektrum tierischer Fähigkeiten im Vergleich zu uns Menschen und belegt alles mit faszinierenden Beispielen aus der modernen Tierverhaltensforschung. Außerdem lädt er dazu ein, wichtige Experimente nachzumachen, zum Beispiel den berühmten Spiegeltest. Die Experimente sind teilweise auch mit Haustieren, mit der Familie oder Schulklassen durchführbar. Viele Fotos und witzige Illustrationen von Nikolai Renger veranschaulichen die Informationen. Ein großartiges Sachbuch für Kinder ab 9 Jahren, in dem auch Erwachsene noch viel Neues erfahren! Kein Wunder, dass Jury und Publikum in ihrer Wahl übereinstimmten.

Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner!!! Sie bereichern uns mit ihren unterhaltsamen, lehrreichen und anregenden Werken. Doch ich kann euch versichern, dass auch die anderen Bücher, die zur Wahl standen, sich lohnen. Hier findet ihr die Liste der nominierten Bücher. Sie alle erweitern unseren Wissensschatz!

 

 

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10 Kommentare

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  3. Pingback:Mai Thi Nguyen-Kim: Komisch, alles chemisch! | Elementares Lesen

  4. Vielen Dank für den tollen Beitrag.
    Es sind Bücher dabei, die ich mir näher anschauen werde, zum Beispiel “Die Abenteuer des Alexander von Humboldt” und “Die Wurzeln des Lebens”.
    Ganz viele Grüße!

  5. Darwin in der Stadt und Richard Powers habe ich für mich entdeckt. Die chemische Komik fand ich ebenfalls sehr gelungen und der Harari wird gehört werden.
    Herzlichen Dank und leseneugierige Grüße
    Thurs

  6. Eigentlich, ja eigentlich möchte ich ALLE Bücher auf der Liste, wobei mir Schilthuizen mit seiner Peepshow noch gut im Gedächtnis ist. Aber So sterben wir von Roland Schulz ist wohl das Buch welches mich, aus aktuellem Anlass und im Anbetracht meiner totalen Hilflosigkeit gegenüber “den Ereignissen”, wohl am meisten interessiert.

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